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Wasser:Vom fairen Umgang mit einem knappen Gut

Den Kampf um sauberes Trinkwasser gibt es seit Jahrhunderten. Nur die Gegenspieler wechseln. Früher waren es Könige und Herrscher, heute auch Getränkekonzerne und Bürger. SZ-Leser sehen die Machtverteilung kritisch.

Zu "Wem gehört das Wasser?", 15./16. Juni:

In dem Artikel wird deutlich, dass die öffentlichen Verwaltungen eben doch das letzte Wort bei der Vergabe von Wasserförderungsgenehmigungen haben - die Aussage von Prof. Michael Reinhardt, dem Experten für deutsches und europäisches Wasserrecht, macht es deutlich. Nicht nur im Süden der Republik, auch hier in Norddeutschland hat ein globaler Getränkemulti völlig freie Hand.

Vielerorts haben wir in der Lüneburger Heide Probleme mit versiegenden Still- und Fließgewässern, der Klimawandel und zunehmende Dürren verschärfen das Problem noch. Dennoch erlauben es Stadt und Landkreis Lüneburg dem Coca Cola-Konzern, die Wasserförderung in der Region auf 350 000 Kubikmeter jährlich zu verdoppeln! Ich selbst musste mir als Mitarbeiter eines Umweltverbandes Ausreden der Wasserbehörden anhören wie "Die dürfen das" und "Jeder kann hier Wasser fördern", und Limits werden nicht gesetzt. Einwände der Protestierenden, die Behörden sollten keine Erhöhung der bisherigen Fördermenge erlauben, werden von Stadt und Kreis beharrlich ignoriert, Schreiben nicht beantwortet.

Bevor über Sinn und Unsinn des Transports von Tiefenwasser in Plastikflaschen nachgedacht wird, müssen Behörden zunächst einmal von ihren Rechten - wie etwa einer Förderungsmengenbegrenzung - Gebrauch machen, anstatt ihre Ressourcen auf Kosten kommender Generationen zu verscherbeln.

Thilo Clavin, Lüneburg

Es gibt (gab?) eine gesetzliche Regel, nach der Gemeinden vor einer die Einwohnerzahl erhöhenden Siedlungserweiterung nachweisen müssen, dass für ein Neubaugebiet genug Trinkwasser zur Verfügung steht. Somit müssten die Gebietskörperschaften großes Interesse daran haben, dass Grundwasser gespart wird. Neubauten sollten so konzipiert werden, dass Niederschläge versickern können, und dass statt Trinkwasser für die Toilettenspülung grundsätzlich Niederschlags-/Brauchwasser verwendet wird. Dagegen hat die Bauindustrie schon ab 1856, seit Beginn der amtlichen Kanalisierung in Mitteleuropa, unabänderlich das Ressourcen verschwendende Wegspülsystem festgemauert. Wer das in der eigenen Behausung besser regeln will, stößt auf unüberwindliche Hindernisse.

Freya Linder, Frankfurt

Die Nachfrage nach Mineralwasser steigt von Jahr zu Jahr. Dann ist es nur logisch, dass Mineralwasserabfüller expandieren und die Produktion steigern. Hier sollte sich der "mündige" Verbraucher mal an die eigene Nase fassen und sich überlegen, ob es notwendig ist, in einem Land mit den besten und strengstens kontrollierten Trinkwasserqualitäten Millionen von Hektolitern Wasser in (Plastik-) Flaschen zu füllen und mit Lkw durch das ganze Land zu fahren.

Felix Braun, Brannenburg

© SZ vom 18.07.2019

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