Private Brunnen:Wenn das Wasser sauer wird

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Ein Brunnen in einem Garten

Ein Brunnen im Garten hilft bei der nachhaltigen Bewässerung und spart Geld. Nicht immer stimmt jedoch die Wasserqualität.

(Foto: imago/blickwinkel/stock&people)

In etwa jedem sechsten Brunnen in Deutschland werden zu hohe Nitratwerte gemessen. Woran das liegt und was Gartenbesitzer dagegen tun können.

Von Joachim Göres

Private Brunnen sind bei Hausbesitzern weitverbreitet, damit sie in der warmen und trockenen Jahreszeit ihren Garten bewässern können. "Auf drei Gärten kommen zwei Brunnen", schätzt Harald Gülzow. Der Diplom-Physiker ist beim VSR-Gewässerschutz aktiv, der als Zusammenschluss mehrerer Bürgerinitiativen unter dem Namen "Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse" gegründet wurde. Heute engagiert sich der gemeinnützige Verein für den Schutz von Gewässern und des Grundwassers in ganz Deutschland.

Das VSR-Team ist mit seinem knallgelben Labormobil zwischen April und Oktober in vielen Bundesländern unterwegs, um über die Qualität des Brunnenwassers vor Ort zu informieren und Proben entgegenzunehmen. Die werden dann von Experten in einem Labor im rheinländischen Geldern analysiert. Dabei geht es um den Nitrat-, Säure- und Salzgehalt. Zudem kann man das Brunnenwasser auf Bakterien, Eisen, Phosphat, halogenisierte Kohlenwasserstoffe, Nitrit und Mangan untersuchen lassen und durch das VSR-Gutachten erfahren, ob es bedenkenlos zum Gießen von Gemüse, zum Befüllen des Planschbeckens oder als Tränkwasser für Tiere geeignet ist.

Sorgen bereitet Gülzow die Nitratbelastung des Grundwassers, die vor allem in Teilen von Franken, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz seit Jahren sehr hoch ist. Das zeigt ein Blick auf die Nitratkarte auf der Homepage von VSR-Gewässerschutz. Dort finden sich auch genaue Angaben zu vielen Landkreisen, wobei die Aussagekraft für den einzelnen Garten begrenzt ist - selbst bei benachbarten Brunnen kann es große Unterschiede geben, je nachdem aus welcher Tiefe das Wasser gefördert wird. Grundlage für die auf www.vsr-gewaesserschutz.de präsentierten Daten sind dabei die vom Verein ermittelten Messwerte der untersuchten Gartenbrunnen.

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft?

Jeder sechste Brunnen weist demnach zu hohe Nitratwerte auf, die über dem Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter liegen. Abhängig von der Höhe der Konzentration sollte das Brunnenwasser nicht ohne Weiteres zum Gießen, für Planschbecken oder Teiche verwendet werden. Der Säuregehalt wird über die Messung des pH-Wertes ermittelt. Vor allem in großen Teilen Niedersachsens liegen die Werte unter 5,5. Das saure Wasser mit einem hohen Anteil von Aluminium kann massive Schäden bei Pflanzen verursachen, zudem ist es nicht für Fisch- und Gartenteiche geeignet. "Es gibt Filter, die man einbauen kann, aber der finanzielle Aufwand steht dabei meistens in keinem Verhältnis zum Nutzen", sagt Gülzow.

Das Ganze stellt nicht nur für den betroffenen Gartenbesitzer ein Problem dar - saures beziehungsweise nitratbelastetes Grundwasser gelangt in Flüsse und Bäche und verringert dort die Artenvielfalt. Für den Verein geht es deswegen neben der individuellen Beratung auch darum, auf die Folgen für die Umwelt aufmerksam zu machen und sich für politische Veränderungen zum Schutz des Grundwassers einzusetzen.

Derzeit sei die Landwirtschaft mit ihrer Massentierhaltung und den damit verbundenen großen Güllemengen sowie dem starken Einsatz von Mineraldünger für den hohen Nitratgehalt und die Versauerung des Grundwassers verantwortlich. Wo dagegen der ökologische Landbau verbreitet ist, gebe es deutlich geringere Belastungen. Sind die Gartenbesitzer nicht selbst für hohe Nitratwerte verantwortlich, weil sie verstärkt Dünger einsetzen? Die VSR-Experten kommen zu einem anderen Ergebnis: In Städten wie Berlin oder Duisburg ist die Belastung deutlich geringer als in Regionen mit viel konventioneller Landwirtschaft.

"Um Wasser zu sparen und es optimal zu nutzen, ist es sinnvoll, frühmorgens zu gießen oder zu sprengen."

Werden Keime in der Wasserprobe nachgewiesen, geben Gülzow und seine Mitstreiter Hinweise, was man gegen die Verunreinigung des Brunnenwassers tun kann. Statt Regenwasser in den Brunnen einzuleiten, sollte es über eine Mulde im Garten versickern. Falls in der Nähe des Brunnens Bäume stehen, deren Wurzeln möglicherweise den Brunnenschacht beschädigt haben, sollten der Schacht kontrolliert und gegebenenfalls Risse abgedichtet werden. Gab es durch Starkregenfälle Überschwemmungen, sei es ratsam, mehrere Kubikmeter Wasser aus dem Brunnen zu pumpen und in größerer Entfernung versickern zu lassen, um die Anlage zu spülen.

Mit der Überprüfung und eventuellen Sanierung können Brunnenbaubetriebe beauftragt werden. Doch auch der Gartenbesitzer selbst kann laut Gülzow vieles für den Grundwasserschutz tun. Das fängt mit dem sorgsamen Umgang mit Brunnenwasser an. "Um Wasser zu sparen und es optimal zu nutzen, ist es sinnvoll, frühmorgens zu gießen oder zu sprengen, wenn der Boden noch nicht so warm ist und das Wasser nicht so schnell verdunstet. Das ist vielen Menschen nicht klar", sagt Gülzow.

Auf Leitungswasser sollte man möglichst verzichten, da es für den Garten viel zu wertvoll sei. "Rasensprengen mit Wasser aus der Leitung müsste untersagt werden", meint Gülzow. Und er fordert die viel stärkere Entsiegelung von Flächen, damit das Regenwasser nicht in die Kanalisation abfließt, sondern ins Grundwasser gelangen kann - was gerade wegen der immer länger werdenden Trockenperioden und zunehmender Grundwasserentnahme durch landwirtschaftliche Betriebe wichtig ist, damit der Grundwasserpegel nicht weiter sinkt.

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