Wald:Einmal gemischt ohne Schäden, bitte

Wer Mischwald will, muss meistens nachhelfen und junge Stämme aus den Baumschulen nachpflanzen. Doch die mögen auch Waldbewohner wie Rehe am liebsten. Was ist zu tun? Förster, Jäger und Naturschützer sind hier unterschiedlicher Meinung.

Wald: SZ-Zeichnung: Denis Metz.

SZ-Zeichnung: Denis Metz.

Zu "Es knallt im Wald" vom 18. Juni:

Ohne Wölfe braucht es Jäger

Im Wald liegt vieles im Argen, und es gibt viele Gründe, die dazu beigetragen haben. Die staatlichen Behörden, die über Jahrzehnte die Fichte als Brotbaum der Forstwirtschaft gefördert haben und damit instabile Monokulturen geschaffen haben, der Altersklassenwald, der einen stabilen mehrschichtigen Verbund verhindert und den Abbau von gutem Waldboden fördert, die Bewirtschaftung mit schwerem Gerät, das die Bodenstruktur zerstört, der Klimawandel mit Trockenheit und Temperaturerhöhung. Definitiv gehört dazu aber auch der starke Wilddruck. Da in den meisten Bereichen Bayerns immer noch weder Luchs noch Wolf vorkommen, sind wir hier auf die Jäger angewiesen.

Der Artikel versucht die Verantwortung der Jägerschaft abzustreiten. Auf einige Punkte möchte ich hier eingehen. Autor Neumaier schreibt, dass nicht ein naturnaher Wald, sondern ein natürlicher Wald wünschenswert wäre. Das kann man voll und ganz unterschreiben. Jedoch kann man nicht erwarten, dass private Waldbesitzer ganz auf die Bewirtschaftung verzichten, da der Wald zum Einkommen vieler Besitzer beiträgt und auch viel Holz zur energetischen Nutzung benötigt wird. Also den ganzen Wald unter Naturschutz zu stellen wird nicht möglich sein (was nicht heißt, dass der Anteil trotz allem dringend erhöht werden muss, mindestens auf die schon lange versprochene zehn Prozent der Waldfläche).

Wir gehen mal davon aus, dass ein Waldbesitzer seinen Wald, der aus einer Fichtenmonokultur besteht, in einen stabilen Mischwald umbauen will. Da man auf genügend Anflug nicht bauen kann, da im Umkreis auch mehrheitlich Fichten stehen, muss man anpflanzen, ist also auf die Leckerbissen für die Rehe aus der Baumschule angewiesen - und egal ob das einheimische oder fremdländische Laubbäume sind, werden diese verbissen, weshalb man nicht nur in die Kosten der Anpflanzung, sondern auch in einen Forstschutzzaun investieren muss. Wer meint, die 1,26 Millionen erlegten Rehe würden daran etwas ändern, kann sich den Wald gerne anschauen. Die Zahl ist ohnehin alleine sehr schwierig zu beurteilen, da der Abschuss ins Verhältnis zu den vorhandenen Tieren gesetzt werden muss. Je mehr Rehe in den Wäldern leben, desto mehr können geschossen werden, ohne dass die Population abnimmt.

Falls ein Waldbesitzer das Glück hat, dass schon Buchen oder andere Laubbäume auf dem Grundstück stehen, und er meint, nur noch auf die Naturverjüngung warten zu müssen, dann hat er sich getäuscht. Denn lässt man diese eigentlich nicht gedüngten und mit weniger Nährstoffen ausgestattete Pflanze ungeschützt, hat man nach 20 Jahren keinen jungen Baum, sondern einen verbissenen Busch.

Andreas Euba, Schrobenhausen

Widersprüche und frühe Fehler

Es ist wohltuend, dass hier Journalismus gemacht wird, indem nicht einfach nur die Meinung der Förster wiedergekäut wird. Diese wird nämlich meist als "selbstverständlich richtig" hingestellt. Man verkauft der Öffentlichkeit sonst gerne, dass ein Förster beim Thema "Rehwild" automatisch recht hat, denn das seien ja die Fachleute. Die Jäger hingegen werden belächelt. Dabei sollte man aber wissen, dass viele Förster an den Universitäten auch beigebracht bekommen, das Rehwild als Schädling (!) zu bekämpfen. Vielleicht auch, um von eigenen waldbaulichen Fehlern aus der jüngeren Vergangenheit abzulenken.

Viele Medien und leider auch zahlreiche Politiker übernehmen heute die Aussagen der Förster und geben sie meist eins zu eins weiter. Würden sie sich selbst mit der Materie auseinandersetzen, wären sie rasch auf die recht offensichtlichen Widersprüche gestoßen. Ein Beispiel: Noch in den 1970er-Jahren ließen Förster und Waldbesitzer das Pflanzengift Tormona über Tausende Quadratkilometer Wald versprühen, um Laubbäume zu beseitigen. Das ist in Vergessenheit geraten, davon möchte man heute nichts mehr wissen.

Nun hat sich ein Redakteur die Mühe gemacht, sauber zu recherchieren. Er ist auf die Widersprüche gestoßen, benennt sie und sofort wird versucht, ihn in konzertierter Aktion "niederzubrüllen". Umso größer mein Respekt für den Autor, der wohl vermuten musste, dass ihn harte Kritik trifft.

Thomas Unterstaller, München

Nur Abschüsse mindern Verbiss

Rudolf Neumaier äußert sich zum Streit von Forstwirten, Jägern und Ökologen, "wie in Deutschland klimaresistente Mischwälder gepflanzt werden können". Den Kern der Debatte sieht er darin, ob noch viel mehr Rehe und Hirsche als bisher zum Schutz der Bäume geschossen werden müssen oder nicht. Leider geht er auf die bewährten Grundlagen für eine vertretbare differenzierte Abschussplanung nicht ein: Allgemein soll in Deutschland die Jagd dazu dienen, einen Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten, die Verjüngung der standortgeeigneten Baumarten soll im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen gelingen. Als wesentliche Grundlage für eine differenzierte Aussage wird in Bayerns Wäldern im dreijährigen Abstand für die Hegegemeinschaften die Verbissbelastung durch Rotwild und Rehe erhoben. Die Ergebnisse zeigen, wo die Verbissbelastungen (deutlich) zu hoch, tragbar oder günstig sind und wie sie sich gegenüber früheren Erhebungen verändert haben.

Es fällt auf, dass mit der Einführung dieser differenzierten Erhebungen und den darauf aufbauenden Abschussplanungen zwischen 1986 bis 2015 der Verbiss laufend gesunken ist. Zum Beispiel konnte der Leittriebverbiss der Eiche von 46,1 Prozent (1991) auf 24 Prozent (2015) gesenkt werden. Dieser Erfolg kann sicher darauf zurückgeführt werden, dass ein Abschuss von mehr Tieren dort vorgesehen wurde, wo die Verbissbelastung zu hoch oder deutlich hoch war. Die von Neumaier angeführte Formulierung Leonhardts aus dem Kommentar zu den Jagdgesetzen "dass es zwischen Abschusshöhe und Verbisssituation keinen allgemeinen Zusammenhang gibt", dürfte sich auf Einzelfälle beschränken. Nach wie vor spricht alles dafür, die Abschüsse dort zu erhöhen, wo die Verbissbelastung der Waldverjüngung zu hoch ist.

Bernhard Mall, Rothenburg

Auslese zulassen, nicht füttern

Herr Neumaier schreibt von hohen Abschusszahlen, aber hat sich dadurch die Anzahl des Wildes deutlich verringert, oder rühren diese Zahlen von einer ständigen Zunahme des Bestandes her? Man kann nur viele Tiere schießen, wo auch viele Tiere sind. Ich selbst gehöre zur umkämpften Gruppe der kleinen Grundbesitzer und habe versucht, in meinem lichten Wald eine Naturverjüngung geschehen zu lassen. Dies ist innerhalb von zehn Jahren aufgrund des Wildverbisses nicht gelungen. Danach habe ich ein kleines Stück bepflanzt und das Grundstück eingezäunt. Jetzt, wieder zehn Jahre später, kann ich auf natürlich verjüngten Wald blicken.

Das Hauptproblem der hohen Wildzahlen und der dadurch auftretenden Schäden liegt an der intensiven Fütterung durch die Jäger. Es findet keinerlei natürliche Auslese mehr statt. Das Wild geht gestärkt durch den Winter und kann sich ungehindert vermehren. Dass Herr Sticht nicht nur auf die Jagd verzichtet, sondern auch auf Fütterung, wird in dem Beitrag nicht erwähnt. Man sollte die künstliche Fütterung von Wildtieren generell verbieten und der Natur ihren Lauf zurückgeben. Nur so kann der unsägliche Streit zwischen Jägern und Forstwirten beendet werden.

Friedrich Hübl, Moorenweis

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