Krise der AutoindustrieEr fährt und fährt und fährt nicht mehr

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Was bringt die Zukunft für den VW-Konzern? Autoexperte Dudenhöffer hält einen Aufschwung für möglich.
Was bringt die Zukunft für den VW-Konzern? Autoexperte Dudenhöffer hält einen Aufschwung für möglich.
Foto: Jan Woitas/dpa

Die deutsche Autoindustrie steckt in einer schweren Krise, allein  VW erwägt den Abbau von bis zu 100 000 Arbeitsplätzen. So blicken die SZ-Leser auf das Thema.

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Kommentar „Die letzte Chance“ vom 29. Juni und Kommentar „Das Versagen“ vom 11./12. Juli:

Teure Versäumnisse

Ein sehr interessanter und fundierter Artikel. Natürlich ist das hoch bezahlte und risikoarme Management der Hauptschuldige dieser Misere. Noch 2022 wurden meines Wissens bei VW insgesamt inklusive Sonderausschüttung Milliarden an die Eigner ausgezahlt, dazu kamen Strafzahlungen/Entschädigungen für die Dieselaffäre in Höhe von bis zu 35 Milliarden Euro.

Was hätte man mit diesem Geld nicht alles an neuen naheliegenden Geschäftsfeldern entwickeln können, als da sind: Batteriefertigung, Software für E-Modelle, Robotik, Wehrtechnik et cetera.

Nichts dergleichen ist geschehen. Im Gegenteil, man hat sich in der Autoindustrie über Tesla lustig gemacht und das Roboter-Juwel Kuka nach China ziehen lassen. Dass es auch anders geht, zeigen zum Beispiel Airbus, Infineon und die Wehrtechnik-Firmen.

Dietmar A. Angerer, München

Verbohrte Gewerkschaften

Mit Interesse habe ich den Beitrag von Lisa Nienhaus gelesen. Ja, es wurden viele Managementfehler gemacht. Das hilft jetzt aber in der aktuellen Situation nicht weiter. Das Land Niedersachsen nebst Gewerkschaften haben Veränderungen vehement abgelehnt.

Jetzt werden die Gewerkschaften versuchen, hohe Abfindungen auszuhandeln. Und das ist das größte Problem – dann sind die Arbeitsplätze unwiderruflich aus Deutschland weg. Wir verlieren jetzt schon rund 15 000 Industriearbeitsplätze pro Monat.

Wie verbohrt sind die Gewerkschaften? Statt mit den Arbeitgebern nach Lösungen zu suchen, um die Arbeitsplätze zu erhalten, geht es nur um die Höhe der Abfindungen. Wie wäre es mit einer Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich? Wie wäre es mit der radikalen Abschaffung geliebter Privilegien? Ja, das ist nicht opportun. Aber es geht um die Erhaltung der Arbeitsplätze.

Und da erwarte ich in einer solch schwierigen Lage Zugeständnisse von den Gewerkschaften/den Arbeitnehmern. Wenn das nicht passiert, werden wir weiterhin viele Industriearbeitsplätze verlieren.

Reinhold Wittenberg, Mainberg

Hohle Klagen

Die Vertreter der Belegschaft und der Politik im Aufsichtsrat von Volkswagen stehen vor einem Dilemma: Um die Firma zu retten, müssten sie akzeptieren, dass ein Teil der Belegschaft vor die Tür gesetzt wird, müssten Mehrarbeit und Lohneinbußen schlucken.

Mit anderen Worten: Sie müssten so abstimmen, wie die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche es wünschen. Denen geht es zwar auch darum, dass Volkswagen überlebt, dabei aber sicher nicht an erster Stelle um die Wünsche und Ängste der Arbeitnehmer.

Bei solchen Gelegenheiten sollten eigentlich alle ins Grübeln kommen, die so gerne über höhere Besteuerung der Superreichen reden. Was wäre damit in der jetzigen Situation für VW gewonnen? Weniger als nichts. Der Staat könnte mit den Mehreinnahmen entlassene VW-Werker alimentieren. Je mehr Geld aber im Unternehmen bleibt, umso eher kann es dort sinnvoll eingesetzt werden.

Hohl klingen in meinen Ohren auch die wiederkehrenden Klagen über das Versagen des Managements. So als stände es in der Macht des Vorstands, der Belegschaft alle Widrigkeiten des Weltmarkts und des Standorts vom Halse zu halten. Es ist wohl leider so: Der Erfolg hat viele Väter, und bei Misserfolg sucht man sich einen Sündenbock.

Bisher ist noch keine wirtschaftlich tragfähige Lösung erkennbar, bei der die Arbeitnehmerseite keine Federn lassen müsste. Sie hat zwar die Macht, alle Vorschläge der Kapitaleigner abzuschmettern. Vor einem Pyrrhussieg aber muss sie sich hüten.

Axel Lehmann, München

Falsche Ratschläge

Ratgeber für alle Lebenslagen gibt es zuhauf, darunter auch schlechte. Jetzt liefert die gute alte Tante Süddeutsche Zeitung ihren Rat an die Belegschaften von VW und Mercedes angesichts des Generalangriffs der Automonopole auf ihre Arbeitsplätze, Fabriken und Arbeitszeiten.

Die SZ-Wirtschaftsredakteurin Christina Kunkel bekundet vollstes Verständnis für das „mulmige Gefühl“ der Arbeiterinnen und Arbeiter, die „in Wallung geraten“ auch gegen fünf Stunden Mehrarbeit pro Woche – ohne Lohnausgleich. Vor allem aber treibt die Dame offenbar ein mulmiges Gefühl angesichts derjenigen, die sich für einen harten Kampf rüsten. Ihnen rät sie „sich den Realitäten nicht zu verschließen“ und stillzuhalten: „Und doch sollten sie sich nicht querstellen. Sonst könnte es bald zu spät sein.“ Für wen eigentlich?

Für die in Deutschland ansässigen Automobilmonopole ist laut Frau Kunkel der geplante Kahlschlag „die letzte Chance“ im internationalen Konkurrenzkampf. Für die Arbeiterinnen und Arbeiter und alle, die ihren Kampf unterstützen, muss dagegen die Chance genutzt werden zu konzernübergreifenden gewerkschaftlichen und selbständigen Kämpfen.

Dazu gehört Mut und Klarheit und nicht zuletzt eine breite Diskussion über die menschenverachtenden „Realitäten im Kapitalismus“ – mitsamt seiner sozialistischen Alternative.

Anna Bartholomé, Düsseldorf

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