Verbrenner-AusMit Vollgas in den Rückwärtsgang

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EU-Kommission rückt vom Verbrenner-Aus ab.
EU-Kommission rückt vom Verbrenner-Aus ab. Christoph Schmidt/dpa

Die EU rückt auf deutschen Druck hin von ihrem Klimakurs ab: Auch nach 2035 sollen Verbrennerautos zugelassen werden. Unter den Leserbriefschreibern der SZ herrscht Unverständnis.

„Brüssel rückt von Verbrenner-Aus ab“ vom 17. Dezember:

Völlig hinter dem Mond

Es ist bedauerlich, dass die deutsche Politik hinsichtlich Umweltschutz offensichtlich völlig hinter dem Mond lebt: Viele andere Länder, allen voran China, haben kapiert, dass die Verbrennerautos keine Zukunft haben. Nur Deutschland versucht, den deutschen Autofirmen das Überleben zu verlängern, indem behauptet wird, Verbrenner sind notwendig auch über das Jahr 2035 hinaus.

Muss man darauf hinweisen, dass die deutsche Autoindustrie die Entwicklung der E-Autos und damit verbunden die Versorgung der E-Auto-Fahrer mit E-Ladestationen verschlafen hat? Und nun muss die Politik zur Rettung der Autoindustrie Brüssel zwingen, dass nach 2035 weiterhin Verbrenner zugelassen werden dürfen? Dieses Hin und Her verzögert die Entwicklung von E-Autos, die Industrie wartet, was die Politik als Nächstes ändern will, es passiert nichts oder zu wenig.

Ein relativ unbekannter Politiker mit Namen Markus Söder hatte vor zehn Jahren darauf gedrängt, dass Verbrenner ab 2035 nicht mehr zugelassen werden dürfen. Jetzt versucht dieser Markus Söder, die EU zu bewegen, dass Verbrenner über 2035 hinaus weiter zugelassen werden dürfen.

Die Regierung Merz hat weiß Gott andere dringende Aufgaben, als in Brüssel für die weitere Zulassung von Verbrennern zu werben. Bei so viel Hin und Her ist es nicht verwunderlich, dass die Regierung Merz nicht richtig in Fahrt kommt. Vor der Wahl im Februar hatte Merz lautstark alles schlechtgemacht, was die Ampel angeblich falsch gemacht hatte. Nun kommt er nicht in die Puschen, wobei es viele Themen gibt, die mit einem kraftvollen Kanzler machbar wären. Aber er ist nicht kräftig. Merz ist kein Klempner der Macht, er ist ein Maurer der Macht, wie er selbst letzte Woche sagte. Das ist auch nicht besser als Scholz.

Axel Bock, München

Wettbewerbsnachteil

In China ist jeder zweite zugelassene Pkw ein E-Auto. Die Chinesen werden Europa mit ihren guten, wirtschaftlicheren E-Pkws überschwemmen. Um dieses zu vermeiden, müssen in Deutschland E-Autos – auch mittels Quersubventionierung von Verbrennern – vermehrt produziert werden. Die Förderung der Verbrenner durch Hinausschieben des „Verbrennerverbotes“ ist kontraproduktiv, schadet Europa auf Dauer.

Wolfgang Maucksch, Herrieden

Hinten sieht man’s nicht

In der Diskussion zum Verbrenner-Aus vermisse ich das für mich wichtigste Pro-Argument, die unmittelbare Lebensqualitätsverbesserung aller Verkehrsteilnehmer. Denn auch ein mit Biokraftstoff betriebener Verbrenner wird lärmen und stinken. Und so verpassen wir gerade die Chance, den größten Konstruktions- und Serienfehler des Mobilitätszeitalters, den Auspuff eines Verbrenners hinten enden zu lassen, auszumerzen.

Würde man Abgas und Lärm nicht hinten, sondern durch den Fahrgastraum entlassen, dann würde auch Herr Söder anders reden, und 100 Prozent aller Verkehrsteilnehmer könnten zukünftig tief und befreit durchatmen. Mit dem Rauchverbot hat es doch auch schon funktioniert.

Dirk Rodenbeck, Garbsen

Warum kein Tempolimit?

CSU und die CDU könnten doch den CO₂-Ausstoß statt durch grünen Stahl auch durch eine sofortige generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen und Landstraßen reduzieren wie alle anderen Länder in Europa, wenn ihnen die christlich-humanistischen Werte und die Autoindustrie mit ihren Arbeitsplätzen wirklich noch etwas bedeuten. Solche Regeln plakatieren sie allerdings als Verbotspolitik. Das Christentum ist doch keine Verbotsreligion, wenn sie gebietet: „Du sollst nicht töten.“ Oder darf man aus CSU/CDU-Sicht doch töten, wenn man die technische Weiterentwicklung unserer Autoindustrie verschlafen hat, was auch mit der Politik von CSU/CDU verbunden ist, und deshalb der CO₂-Ausstoß der deutschen Autos bis 2035 nicht auf null gesengt werden kann und ein Gebot, das Gaspedal nicht ganz durchzutreten, als Zumutung dargestellt wird?

Udo Peplow, München

Absurde Ideen

Nach dem Motto „Etwas weniger lässt immer noch ein großes Mehr“ versuchen die Weichspüler, den notwendigen Wandel von der Verbrenner- zur E-Mobilität zu schwächen und eine Verteuerung des Wandels in Kauf zu nehmen. Der neue Standard heißt Hybrid oder Range Extender. Autofahrer sollen ihre Mobilitätsbedürfnisse mit erheblich teureren, doppelt angetriebenen Autos befriedigen. Welche absurde Idee! Alle, auch die nur halbwegs mit den Problemen des Wandels Vertrauten, wissen: Der Wandel kann nur mit einem E-Auto gelingen, das spürbar billiger als das Verbrennerauto ist.

Die Energiepolitiker müssen die Strompreise an den Ladestationen senken und die Automobilindustrie muss mit ihrem ingeniösen Potenzial die Möglichkeiten zur Verbilligung des E-Antriebs (Stichwort Radnaben-E-Motoren) voll ausschöpfen. Dann werden alle Klimmzüge um das Verbrenner-Aus überflüssig. Da muss die Bundesregierung die volle Unterstützung des VDA einfordern. Und Markus Söder will der Automobilindustrie mit Hybrid und Range Extender noch ein Umsatzplus von 25 Prozent zum Geschenk machen. Da sollte der VDA Markus Söder danken.

Hans Lafrenz, Hamburg

Kurzfristige Politikergehirne

Doch, Herr Diesteldorf, das ist die Rettung – nicht für die Umwelt oder gegen Klimakatastrophen, sondern auch für die Ölkonzerne, ihre Raffinerien und Tankstellen. Die Zusammenhänge zwischen Verbrennung und Treibhausgasen einerseits und Überschwemmungen, Bergstürzen, Wirbelstürmen und Dürreperioden andererseits sind einfach zu kompliziert für Politikergehirne. Sie denken an kurzfristige Profite und nicht an die langfristigen Kosten (etwa für den Wiederaufbau im Ahrtal). Hätte es nicht im engen und dicht bebauten Ahrtal so unvorhersehbar stark geregnet, sondern auf den weiten und wenig bebauten, aber ausgetrockneten Latifundien Brandenburgs, dann hätte es solche Schäden nicht gegeben. Die Gedankenlosen sehen nur den unglücklichen Zufall.

Die Nachdenklichen beziehen auch schwer Vorhersehbares mit ein in ihre Vorsorge. Sie reagieren auf die Veränderungen des Klimas mit verändertem Verhalten logisch und weitsichtig, anstatt unlogisch und kurzsichtig im alten Trott der Verbrenner-Bequemlichkeit zu verharren.

Dr. Dietrich W. Schmidt, Stuttgart

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