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Umweltschutz:Unter Ideologie-Verdacht

Gibt es tatsächlich eine antiökologische Hysterie oder haben die Kritiker der aktuellen Umwelt- und Klimapolitik gar Recht? Die Leserinnen und Leser sind bei diesem Thema uneins.

Zu "Die anti-ökologische Hysterie" vom 31. Mai:

Tanz am Abgrund

Über den Artikel von Jan Großarth habe ich mich sehr gefreut. Vor den letzten Bundestagswahlen bin ich in die FDP eingetreten, um den sozialliberalen Flügel zu stärken. Zu meiner Verwunderung musste ich dann aber feststellen, dass dieser Flügel wohl kaum mehr zu existieren scheint. Verstärkt wird der Eindruck, wenn Christian Lindner in Interviews Sozialliberale mit Sozialdemokraten gleichsetzt. Freiheit und intellektuelle Beweglichkeit funktionieren anders. Als Biologe habe ich mit Begeisterung die "Freiburger Thesen" gelesen, in denen die FDP das Umweltthema als erste Partei formulierte, oder später das Bundesumweltministerium initiierte. Gerhart Baum und Burkhard Hirsch lassen mich weiterhin hoffen, dass ich nicht in die falsche Partei eingetreten bin. Die bundesweiten Umfragewerte lassen hingegen vermuten, dass der Tanz am Abgrund für die Liberalen nicht vorbei ist.

Differenziertes und innovatives Denken sind Merkmale der Aufklärung - das sollten die Liberalen ebenfalls bemerkt haben, statt reflexartig auf die Grünen zu schielen.

Dr. Peter Menke, Ulm

Windenergie im Flautenland

Man muss kein Rotary-Freund und kein AfD-Sympathisant sein, um den grünen Weltrettungs-Hype unter Ideologieverdacht zu stellen. Als Bürger des grün-schwarzen Musterländles Baden-Württemberg bekommt man eine Ahnung davon, was erst passiert, wenn die Grünen politisch das Sagen haben. Wie brachial sich die grüne Umweltpolitik dann selbst über die Naturschutzgesetze hinwegsetzt, wenn es etwa gilt, Windkraftpläne durchzudrücken. Die knappen Ressourcen Wald und Landschaft, mögen sie ökologisch und touristisch noch so wertvoll sein, werden im windschwächsten Bundesland auf Biegen und Brechen geopfert und mit bis zu 230 Metern hohen Giganten überstellt - Schutzstatus hin oder her. Weil Flauten hierzulande häufiger drohen als andernorts, wird einfach der Windatlas modifiziert, um zusätzliche Anreize für Kommunen und Windkraftbetreiber zu schaffen.

Derweil wird auf den Schnellstraßen im Daimler- und Porscheland gerast wie eh und je, und die Lkw-Kolonnen werden immer länger. Schon im Kampf gegen das Waldsterben waren wir Spitze und jetzt halt auch unterm Vorzeichen des Klimawandels.

Wolf Hockenjos, Donaueschingen

Wer am lautesten bellt

Der Autor hat beim Namen genannt, was sich hinter manchen "Argumentationen" zur Klimathematik verbirgt und offensichtlich wird. Ob hier die "getroffenen Hunde" oder "die Hunde mit dem Schwanz" bellen, sei dahingestellt. Kann angesichts solchen "Bellens" noch von "bürgerlicher Intelligenz" die Rede sein? Wohl eher nicht, wenn Diskursverweigerer sich auf Pöbeleien und Verunglimpfungen, auf Unterstellungen und absurde historische Vergleiche verlegen. Und den Gedanken der Freiheit auf den Hund kommen lassen.

Debatte Online

Liebe Leserinnen und Leser, diskutieren Sie auch heute mit uns über weitere aktuelle Entwicklungen: Frauenstreik - gelingt so Gleichberechtigung? sz.de/frauenstreik ma Nach Angriff auf Tanker im Golf von Oman: Wie sollen die UN reagieren? sz.de/tanker Kükentöten: Wie bewerten Sie das Urteil? sz.de/kueken Zur Übersicht unseres Diskussionsangebots im Netz: sz.de/leserdiskussion

Karl Martell, Leinfelden-Echterdingen

Kernkraft für die bessere Bilanz

Auch ich als Vertreter der vom Autor verunglimpften bürgerlichen Intelligenz bin zusammen mit meinen Mitstreitern Klimaskeptiker, zumindest des deutschen Weges zur Rettung des Weltklimas durch Wind-, Solar- und Bioenergie bei gleichzeitiger Abschaltung von Kohle- und Kernkraftwerken.

Gretchen, so eine Art Jungfrau von Orleans des Klimaschutzes, hat sich ja für den Einsatz von Kernenergie ausgesprochen. Ihr Heimatland hat bei einem Anteil von 40 Prozent eine wesentlich bessere Klimabilanz als Deutschland, doch wurde sie für ihre Aussage von einer unserer Obergrünen heftig gemaßregelt.

Kay-J. Rudolph, Schwalmstadt-Treysa

Vorausschauende Politik

In einer von Good Deals und schnellen Cum-Ex-Geschäften geprägten Zeit haftet einer vorausschauenden, heilsversprechenden Politik - sei sie ökologischer oder sozialer Natur - natürlich schnell der Nimbus einer Religion an.

Achim Aisslinger, Hamburg

Schwache Argumente

Sollte der einzige Sinn der langwierigen Tiraden über angeführte Vertreter dieser Elite die Hinführung zum letzten Absatz sein, dann würde das den Artikel grundlegend entwerten, denn gerade Klimaschutz mithilfe kapitalistischer Methoden ist doch offenkundig Programm des gehobenen Bürgertums und der Oberschicht. Bestes Beispiel hierfür ist das familiengeführte Unternehmen Bosch, das sich freiwillig der CO₂-Neutralität verpflichtet hat.

Die einzelnen Beispiele sind wenig überzeugende Indikatoren der angeblichen Klima-Blasphemie. Wie schwach aber die Argumentationen auch faktisch sind, möchte ich am dritten Absatz aufzeigen, der sich anscheinend auf die politischen Liberalen bezieht, für die am ehesten stellvertretend die FDP steht. Während es richtig ist, dass diese politische Richtung Steuern und Regulierungen gering halten will, ist die Formulierung "eine Freiheit von Brüssel" schlicht frech, ist die FDP doch jeher eine klar pro-europäische Kraft und in Punkten wie der Europäischen Armee sogar Vorreiter.

Klimaquatsch

SZ-Zeichnung: Michael Holtschulte

Schließlich ist es sehr kurzgegriffen, die überwiegende Ablehnung von Verbrennungsmotor-Verboten mit der Ablehnung der CO₂-Abgaben gleichzusetzen. Hierbei ist dem informierten Bürger ja bewusst, dass die Liberalen die Ausweitung des Zertifikathandels befürworten, was sich in der Zielsetzung mit den Abgaben deckt und nur ein anderer Weg ist, Kapital effizient einzusetzen, um die Umwelt zu schützen.

Niklas Janka, Neumarkt

Bevölkerung wächst zu schnell

Keine Frage: Dass Umweltschutz und Klimarettung im Bewusstsein der Menschen (Demonstrationen, Talkrunden, Internetforen, Politiker-Statements, Einfluss auf Wahlergebnisse) eine so hohe Bedeutung gewonnen haben, ist wichtig, notwendig und begrüßenswert. Aber seltsamerweise wird im öffentlichen Diskurs und auch bei den Fridays-for-Future-Demos einer der Hauptgründe für den Klimawandel und die Umweltzerstörung nicht thematisiert: die unglaublich schnelle Zunahme der Weltbevölkerung. Jede Woche (!) vermehrt sich die Weltbevölkerung um eine Millionenstadt wie München, jedes Jahr kommen 80 Millionen Menschen hinzu, das entspricht der Einwohnerzahl Deutschlands. Ein ungebremster Dauerzuwachs an Verursachern von CO₂-Ausstoß, von Klima- und Umweltschäden. Selbst wenn unsere Regierung innerhalb eines einzigen Jahres alle Klimaziele perfekt erreichen würde, nichts wäre gewonnen.

Schlussfolgerung: Wenn Klima und Umwelt gerettet werden sollen, darf die Weltbevölkerung nicht weiter ansteigen. Geburtenkontrolle ist eine der wichtigsten Aufgaben der Menschheit. Wer das nicht bedenkt, verkennt die Realität. Nichtsdestotrotz muss der Umweltschutz auch bei uns intensiv vorangetrieben werden.

Wolfgang Illauer, Neusäß, Dr. Hans-Joachim Müller, Gablingen