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Trophäenjagd:Ökotourismus bringt viel mehr Geld

Seit Botswana die Trophäenjagd auf seinem Territorium verboten hat, formiert sich die Jagdlobby, meinen Leser. Und dazu gehört nach ihren Erkenntnissen auch die Tierschutzorganisation WWF.

Wissen genau, wo Gefahr droht, und wandern daher auch mal aus: afrikanische Elefanten vor dem Kilimandscharo.

(Foto: AP)

"Nur gucken, nicht töten", vom 24./25. Juni:

Durch nichts zu rechtfertigen

Seit Botswana die Jagd auf dem eigenen Territorium 2014 verboten hat, formiert sich die Jagdlobby (und der WWF als ihr verlängerter Arm) gegen das südafrikanische Land und konstruiert Argumente, die behaupten, die noch hohen Bestandszahlen etwa an Savannenelefanten seien sein eigentliches Problem. Ohne die Einnahmen durch die Jagd sei der Artenschutz nicht zu finanzieren und die lokale Bevölkerung würde verarmen.

Abgesehen davon, dass die Trophäenjagd, also das Abschießen von Tieren ikonischer Arten wie Elefant, Löwe und Nashorn durch ausländische Hobbyjäger ethisch durch nichts zu rechtfertigen ist, widerlegen wissenschaftliche Studien diese Behauptungen immer wieder aufs Neue. Es waren gerade die ökonomischen Aspekte, die Botswana dazu bewogen haben, auf Ökotourismus anstatt auf Trophäenjagd zu setzen. Die IUCN-Studie Big Game Hunting in West Africa - what is its Contribution to Conservation? - rechnet vor, dass der Ökotourismus im Vergleich zur Großwildjagd auf einem vergleichbaren Gelände 39-mal mehr permanente Jobs schafft.

Dr. Christian Felix, München

Traumatisierte Elefanten

Herzlichen Dank für den gut recherchierten Artikel "Nur gucken, nicht töten". Am Beispiel Kanadas beschreibt die Autorin anschaulich das destruktive Wirken einer kleinen, aber mächtigen Jagdlobby, die den Ausbau des nachhaltigen Wildtier-Beobachtungstourismus massiv behindert. Dabei bringen Touristen, die lebende Wildtiere in freier Natur beobachten wollen, ein Vielfaches der Einnahmen aus dem Jagdtourismus. Dass die Lust am Töten fälschlicherweise zum unverzichtbaren Wirtschaftszweig stilisiert wird, ist auch in anderen Ländern üblich.

Unverständlich bleibt deshalb, warum die Autorin sich am Beispiel Afrikas ausgerechnet auf die "Expertise" eines früheren WWF-Funktionärs bezieht, und damit einen Vertreter jener Jagdlobby heranzieht, die sie zuvor kritisch beleuchtet hat. Denn - im Gegensatz zu fast allen anderen Wildtier-Organisationen - vertritt der WWF von jeher eine jagdfreundliche Haltung. Um die Millionen von tierfreundlichen Spendern nicht zu verschrecken, wird dies jedoch nicht an die große Glocke gehängt.

Allzu oberflächlich ist im Artikel leider auch die Situation in Botswana dargestellt. Dass aufgrund des Verbots der Trophäenjagd etwa die Elefantenpopulation überhandnehme und die Tiere zunehmend Felder zerstören würden, klingt zunächst einleuchtend. Untersuchungen mit Hilfe von GPS-Sendern zeigen aber, dass durch die dramatisch eskalierende Wilderei in den Nachbarländern schwer traumatisierte Elefantengruppen vielfach nach Botswana flüchten. Die hoch intelligenten und emotionalen Tiere wissen sehr genau, wo sie gefährdet sind. Und wie beim Menschen können extreme Gewalterfahrungen auch bei Elefanten zu gesteigerter Aggressivität führen. Die Trophäenjagd trägt ebenfalls dazu bei, dass Elefanten zuweilen "randalieren": Der Verlust älterer Bullen, die von den Jägern vorzugsweise getötet werden, führt zu chaotischen Turbulenzen und Gewaltausbrüchen im Sozialgefüge der männlichen Elefanten. Übrigens liegt das im Artikel als unattraktiv für den Fototourismus bezeichnete Dorf Sankuye in unmittelbarer Nähe des fantastischen Okavango-Deltas (Unesco-Welterbe!) und besitzt nach Einschätzung etwa des Foto-Safari-Experten Colin Bell hervorragendes Potenzial. Dass außer den bereits florierenden wenigen Camps noch keine weiteren entstanden sind, könnte auch daran liegen, dass die Trophäenjäger dort noch immer Landlizenzen besitzen und die Entwicklung des Beobachtungstourismus boykottieren - siehe Beispiel Kanada.

Iris Koch, Esslingen

© SZ vom 11.07.2017
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