Transparenz-Blog:Wer macht Schlagzeilen?

Gunnar Herrmann

Illustration: Bernd Schifferdecker

Eine Pushnachricht läuft anders als ein Zeitungstitel. Homepage-Chef Gunnar Herrmann über die Arbeitsteilung beim Titeln.

Wer ist für Schlagzeilen und Überschriften in der SZ verantwortlich?

Die kurze Antwort auf die Frage ist: Überschriften und Zwischenüberschriften entstehen in Zusammenarbeit. Neben Autoren befassen sich immer noch weitere Redakteurinnen und Redakteure mit einem Artikel. Wer eine bestimmte Überschrift geschrieben hat, lässt sich darum nur für den Einzelfall beantworten.

Für die lange Antwort müssen wir uns anschauen, was zwischen dem Schreiben und dem Lesen eines Artikels geschieht: Jeder Text wird in der Redaktion redigiert, eventuell gekürzt, auf Zeitungsseiten eingefügt und aufbereitet für die Online-Kanäle - Homepage, Suchmaschinen, Social-Media-Plattformen, Newsletter. Dabei passen die Redakteure auch die mitgelieferten Titel der Autoren an. Denn vielleicht ist dieser zu lang für die Zeitungsspalte oder zu vage für die Suchmaschine.

Einen Text für alle Kanäle zu betiteln und mit Zwischenüberschriften zu versehen, ist eine Aufgabe, die Übung und Gespür erfordert. Die meisten SZ-Texte haben am Ende nicht nur eine Überschrift, sondern mehrere. Das wird Ihnen auffallen, wenn Sie einen Titel in der Zeitung mit jenem vergleichen, der über demselben Text auf der Homepage steht. Oft unterscheiden sich beide stark.

Warum diese Unterschiede? Weil eine Überschrift in der Zeitung nicht das Gleiche leisten muss wie eine Überschrift etwa auf der Homepage. Wer eine gedruckte Zeitung aufschlägt, hat bereits den kompletten Text vor sich. Die Überschriften müssen hier einen schnellen Überblick ermöglichen, die Seite klar gliedern, sie müssen zu den Bildern und den anderen Elementen der gedruckten Seite passen und sich bei alledem auch noch in die Zwänge des Layouts fügen. Auf der Homepage dagegen ist mehr Platz, dafür steht die Überschrift aber für sich allein, der Text ist ja erst nach dem Klick zu sehen. Hier muss der Titel dem Leser viel deutlicher mitteilen, worum es in einem Text geht - und ihn neugierig machen, damit er Lust bekommt, den Artikel genauer anzusehen.

Wir schreiben zudem eigene Titel für Suchmaschinen - möglichst mit den Schlagworten, die dort gefunden werden. Die kurzen Anreißertexte für Twitter oder Facebook müssen zu den Funktionsweisen dieser Plattformen passen. Zwischenüberschriften sollten einen guten Überblick über einen längeren Artikel gewähren, Querlesen ermöglichen.

Wer titelt, muss den für den Leser wichtigsten und interessantesten Aspekt einer oft langen und facettenreichen Geschichte in sehr wenigen Worten zusammenfassen. Dabei ist die Entscheidung, was genau der für den Leser wesentlichste Aspekt ist, letztlich eine subjektive. Ein Leser in Berlin wird möglicherweise etwas anderes spannend finden als eine Leserin in Niederbayern. Meiner Erfahrung nach entstehen die besten Titel nicht einsam in der Schreibstube, sondern im Gespräch mit Kollegen - so lassen sich verschiedene Sichtweisen am besten abwägen.

© SZ vom 23.06.2021
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