TippOrdnung ist das halbe Leben

Lesezeit: 3 Min.

Ist das eine Salami? Quatsch. 1 Kerze, 1 Zweig, 4 Streifen Lametta und 72 Tannennadeln: alles fein säuberlich sortiert. Unser zerlegtes Miniweihnachten ist inspiriert von den Arbeiten des Schweizer Künstlers Urs Wehrli.
Ist das eine Salami? Quatsch. 1 Kerze, 1 Zweig, 4 Streifen Lametta und 72 Tannennadeln: alles fein säuberlich sortiert. Unser zerlegtes Miniweihnachten ist inspiriert von den Arbeiten des Schweizer Künstlers Urs Wehrli. GCA

Menschen mit ADHS fällt Aufräumen schwer, dabei tun ihnen ordentliche Räume besonders gut. Magdalena, 12, verrät Tricks, wie man es sich leichter machen kann.

Protokoll von Barbara Vorsamer

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Früher war ich gar nicht ordentlich, vielleicht liegt das daran, dass ich ADHS habe. Das ist eine Besonderheit im Gehirn, die dazu führt, dass man schnell aggressiv wird und sich schlecht länger auf eine Sache konzentrieren kann. Ich bin einfach ein etwas wilderer und chaotischerer Mensch als andere. Und ich sammle gerne Sachen. Mich von etwas zu trennen fällt mir schwer. Und ich habe ein ziemlich kleines Zimmer. Eine schwierige Kombination, wenn es um das Thema Ordnung geht.

Früher sah das bei mir so aus: Tagsüber schmiss ich alles auf mein Bett, abends vor dem Schlafen gehen, fegte ich das Zeug auf den Boden. Nach kurzer Zeit war mein Zimmer ein einziger Riesenhaufen. Gefunden habe ich nichts mehr, vieles ist kaputtgegangen, und einmal bin ich in eine Stecknadel getreten, weil ich meine Nähsachen verstreut habe. Die steckte zwei Zentimeter tief in meiner Ferse. Das hat sehr wehgetan.

Doch gerade weil der Haufen so riesig und das Chaos so groß war, konnte ich nicht aufräumen. Ich war komplett überfordert. Deswegen kommt hier gleich mein erster Tipp:

1. Hilfe holen - aber nicht von Eltern

Die erste Großputz-Ausmist-Aktion habe ich zusammen mit Freunden gemacht. Wenn eine Freundin fragt, "Brauchst du dieses Täschchen wirklich noch? Du hast fünf von der Sorte!", schaffe sogar ich, es wegzuwerfen. Wenn meine Mutter so etwas sagt, werde ich eher wütend. Zusammen haben wir es geschafft, an einem Wochenende sieben Ikeataschen voller Krempel aus meinem Zimmer zu tragen. Keine Ahnung, was das eigentlich alles war und warum ich es besessen habe. Seitdem verabrede ich mich oft mit meinem besten Freund zum Aufräumen. Er putzt gerne und ich dekoriere gerne, so ergänzen wir uns gut.

2. Der Schütteltrick

Das ist der einfachste Trick überhaupt. Dauert nur ein paar Sekunden, macht aber richtig was her. Einmal die Kissen bisschen schütteln, schön hinlegen, dann die Decke. Buuum: Damit ist gefühlt das halbe Zimmer aufgeräumt.

3. Abschauen

Der Wunsch, es endlich ordentlich zu haben, kam bei mir durch Instagram und Youtube. Ich folge vielen Influencern, die auch noch Teenager sind und die ihre Filme zu Hause in ihren Zimmern drehen. Als ich das nachgemacht habe, fiel mir auf, wie hässlich es aussieht, wenn im Hintergrund Chaos herrscht. Glücklicherweise macht meine Lieblingsinfluencerin Dani Klieber nicht nur die neuesten Tiktok-Tänze vor, sondern erklärt auch, wie man Ordnung hält. Von ihr habe ich viel gelernt.

4. Später ist jetzt

Wenn ich mit meinem Bruder ein Brettspiel anfange und er keine Lust mehr hat, räume ich es gleich wieder weg. Der kommt eh nicht zurück, das sagt der nur so. Als ich kleiner war, habe ich auch immer alles liegen lassen, weil ich dachte: "Später spiele ich weiter." Stimmt fast nie.

5. Die Haufenregel

Ich ziehe mich tagsüber öfter um, die Klamotten lasse ich dann einfach liegen. Das türmt sich zu einem richtigen Haufen zusammen. Der Trick: Jeden Morgen, bevor ich in die Schule gehe, sortiere ich den Haufen. Manches kommt zurück in den Schrank, anderes in den Wäschekorb. Wichtig für mich ist es, einen festen Zeitpunkt am Tag dafür zu haben. Was ich noch lernen muss: Es locker zu sehen, wenn es nicht perfekt klappt. Letztens habe ich verschlafen und hatte keine Zeit mehr fürs Haufensortieren. Ich war so verzweifelt und wütend, fast hätte ich es nicht aus dem Haus geschafft. Locker! So eine Haufenregel soll ja eine Hilfe sein, um gelassener zu werden und nicht, um auszuflippen.

6. Schubladen schaffen Frieden

Früher hatte ich offene Regale, doch alle Sachen immer zu sehen, lenkt mich zu sehr ab. Mit ADHS funktionieren die Filter im Kopf nicht so gut wie bei anderen. Deswegen ist inzwischen alles in Schubladen oder hinter Schranktüren verstaut. So ist da schon mal Frieden. Damit ich nicht jedes Mal neu überlegen muss, was wo ist, habe ich alles beschriftet. Das geht mit Aufklebern oder Kreide. Manche haben auch eine Etikettiermaschine. So was ist auch toll. Was ich für kleine Sachen wie Make-up oder Bastelkram außerdem empfehlen kann: Organizer. Im Ein-Euro-Shop oder in der Drogerie kosten diese kleinen Schachteln nicht viel und es entspannt mich, hier alles hübsch einzusortieren.

7. Belohnung nicht vergessen

Von Lichterketten, Pflanzen und Girlanden kann ich nicht genug kriegen. Das war schon immer so. Früher ist die Deko im Chaos untergegangen. Jetzt sieht das richtig gut aus. Mit einer neuen Vase belohne ich mich manchmal für die viele Arbeit, die Ordnung leider macht.

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