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Tierwohl:Bessere Haltung, höhere Fleischpreise

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Über die anhaltend geringen Standards für Tiertransporte und die weiter vorherrschende Massentierhaltung ärgern sich viele Leserinnen und Leser. Briefe zu Flächenbindung, höheren Preisen und Klimaschutz.

Zu "Bessere Gesetze für Tiertransport gefordert" und "Tortur ohne Ende" vom 15. Februar sowie zu "Es geht um die Wurst" vom 12. Februar sowie "Das Fleisch ist billig" vom 6./7. Februar:

Flächenbindung kann helfen

Die deutschen Landwirte halten zu viele Nutztiere und sie produzieren zu viel Fleisch. Das Überangebot führt dazu, dass Fleisch und Tiere verramscht werden: das Fleisch über die Kühltheken der Discounter und die überschüssigen Tiere ins außereuropäische Ausland. Die Bundesregierung hat diese Missstände durch ihre Agrarpolitik mitverschuldet, die Bundesregierung hat es jedoch auch in der Hand, gegenzusteuern und die Milliarden an staatlichen Fördermitteln, die Jahr für Jahr an die Landwirte ausgezahlt werden, gezielt und konstruktiv einzusetzen.

So kann die Zahl der Nutztiere in den deutschen Ställen deutlich reduziert werden, wenn die Förderung der Nutztierhaltung an die Bedingung geknüpft wird, dass das Tierfutter aus dem eigenen Betrieb beziehungsweise aus der Region stammt. Betriebe, deren Nutztierhaltung auf Futter basiert, das aus anderen Ländern und Kontinenten importiert wird, wie beispielsweise Soja aus Südamerika, verlieren dagegen ihren Anspruch auf Förderung.

Die "flächengebundene Nutztierhaltung", bei der sich die Zahl der Nutztiere an der Größe der vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzfläche orientiert, war in der Landwirtschaft jahrzehntelang gute fachliche Praxis und zugleich Voraussetzung für den Erhalt von Fördermitteln. 2007 hob die Bundesregierung auf Druck der Agrarlobby und der Fleischindustrie die Flächenbindung als Fördervoraussetzung auf. Die Abkehr von der Flächenbindung kam einem Dammbruch gleich, denn damit wurde das Tor zur Industrialisierung der Tierhaltung und zur Überproduktion von Fleisch aufgestoßen.

Roland Sommer, Diedorf

Klimaschutz durch Regulierung

Was würde ein Werbeverbot oder ein Mindestpreis für Fleisch dem Klima bringen? Zu diesem Aspekt in dem Artikel "Es geht um die Wurst" möchte ich wie folgt antworten: Vielleicht würde es dem Klima etwas bringen, wenn man kein Fleisch aus Südamerika einführen würde, das von Tieren stammt, die auf Flächen weiden, die durch Brandrodung dafür nutzbar gemacht wurden!

Michael Kandler, Oberbiberg

Das Leid der Tiere hält an

Die Tierquälerei hört einfach nicht auf! Dass immer noch jährlich Millionen von Rindern, Schafen und Schweinen, Milliarden von Hühnern quer durch Europa in weit entfernte Länder transportiert werden, ist unerträglich. Die Tiere werden in Massen großgezogen, und wenn sie nicht mehr rentabel sind, werden sie zur Handelsware degradiert.

Das Leid der Tiere während des Transports und auch beim Schlachten in Nicht- EU-Ländern ist allen Verantwortlichen in der Politik bekannt. Es gibt genügend Recherchen, die das dokumentieren. Tierärzte und Verantwortliche in Behörden verweigern deshalb zu Recht ihre Unterschrift. Und trotzdem genügt eine Unterschrift eines Richters, qualvolle Tiertransporte zu genehmigen. Ich danke Frau Liebrich, dass sie über diese entsetzliche Tierquälerei recherchiert und diese in der SZ veröffentlicht hat.

Sibylle Paulus, München

© SZ vom 24.02.2021
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