Frau Lüttich, bei Ihnen lebt ein trainiertes Film-Schaf...
Fränze Lüttich: Genau, Henriette.
Wie kam sie zum Film?
Früher kannte Henriette nur ihre Wiesen und andere Schafe. Deshalb musste ich sie erst mal davon überzeugen, dass es Spaß macht, Zeit mit Menschen zu verbringen. Zuerst mit mir. Die Freundschaft zwischen mir und den Schafen ist ganz wichtig. Danach beginnt das eigentliche Training - zum Beispiel hört Henriette auf ihren Namen und läuft an der Leine. Dafür war ich mehrere Wochen lang jeden Morgen mit ihr im Wald spazieren.
Und wenn sie keine Lust hat?
Henriette liebt Essen. Mit Getreide, Äpfeln oder Möhren kann man sie super locken. Auch Streicheln, Kuscheln und Spielen mag sie gern.

Welche Tricks kann Henriette?
Henriette wird in einer Szene von einem Schauspieler auf der Schulter getragen. So was ist kompliziert. Das Schaf gewöhnt sich langsam daran, angefasst und kurz hochgehoben zu werden. Dann haben wir trainiert, dass ich sie auf der Schulter trage. Anschließend mussten wir noch üben, dass sie sich auch von anderen Personen gern tragen lässt.
Das klingt nach viel Arbeit. Hat Henriette auch mal Freizeit?
Natürlich. Mehr als ein paar Minuten pro Tag trainiere ich nicht. Den Rest darf sie ganz Schaf sein.

Hätten Sie dafür auch jedes andere Schaf nehmen können?
Nicht jedes Schaf hat das Zeug zum Filmstar. Wie bei uns Menschen gibt es schüchterne Wesen. Henriette ist ziemlich neugierig.
Kennen Schafe Lampenfieber?
Henriette ist eine ziemlich coole Socke. Sie vertraut mir und weiß, dass ihr nichts passiert, wenn ich dabei bin. Wenn Wildtiere wie Füchse vor der Kamera stehen, müssen wir mehr achtgeben. Dann sind nur ganz wenige Leute am Set und es herrscht besonders viel Ruhe, um sie nicht zu stressen.
Leben noch mehr Filmtiere auf Ihrem Hof?
Bei mir leben meine beiden Hunde, einige Katzen, weiße Tauben, Kaninchen, Füchse, eine Handvoll Hühner und ein Hahn namens Michelhahngelo. Bald ziehen noch ein paar Nandus ein. Die sehen aus wie ein Vogel Strauß, nur ein bisschen kleiner.
Welches Tier lässt sich besonders gut trainieren?
Haustiere sind an uns Menschen gewöhnt. Hühner zum Beispiel sind tolle Filmtiere. Sie sind immer fröhlich und haben große Lust am Training. Auch Ziegen sind sehr intelligent. In Filmen werden oft Hunde gezeigt, die ihr Bein heben. Meine Jagdhündin Sky kann deshalb auf Kommando ihr Bein heben - auch ohne zu pinkeln.
Gibt es Tiere, mit denen Sie nicht arbeiten würden?
Meeressäuger wie Orcas oder Delfine haben nichts vor der Kamera zu suchen - außer natürlich in Naturfilmen. Sie kann man kaum artgerecht halten.

Was passiert mit Ihren Tieren, wenn sie zu alt für Filme sind?
Meine Tiere bleiben bei mir bis zu ihrem Lebensende.
Sie haben auch Füchse. Sind die wirklich so schlau?
Ja, zahme Füchse lernen schnell Tricks. Louis kann zum Beispiel Sitz machen oder mir auf dem Arm springen - aus drei Metern Entfernung.
Was ist Ihr krassester Tiertrick?
Dackel Polly kann auf dem Rücken der liegenden Jagdhündin stehen - und winken.
