Thema der WocheWahlen nach Zahlen

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(Foto: Katie Benn/Katie Benn)

Am Sonntag wird in Hessen und Bayern gewählt. Es soll darum gehen, wie unsere Zukunft aussieht. Da dürfen alle mitentscheiden außer den Kindern. Hä?

Von Georg Cadeggianini

Jeder darf wählen. Ohnehin klar. Alles andere wäre ja auch unfair, oder? Wurscht, ob lange Haare oder kurze, Deutschrapperin, Stubenhocker oder Opern-Fan, ob arm oder reich, Physikgenie oder Tagträumer. Ein Mensch, eine Stimme, keine Ausnahme, oder? Außer, ja außer du bist ein Kind.

Unser Wahlrecht ist ein Kinderverbotswahlrecht. Warum aber dürfen ausgerechnet diejenigen, die am längsten mit den Folgen der Politik leben werden, diese nicht mitbestimmen? Irgendwie komisch. Die drei beliebtesten Argumente gegen ein Kinderwahlrecht samt Antworten in aller Kürze: 1. Heiraten, Solarium, Alleineautofahren - darf man halt erst mit Volljährigkeit. Wählen ist auch so was. Ist so, Punktum. Das ist vor allem eins: Quatsch. 1972 etwa durften bundesweit schon 18-Jährige wählen, obwohl man erst mit 21 volljährig war. In Brandenburg, Schleswig-Holstein und Bremen dürfen heute auch 16-Jährige wählen. Das alles heißt: 18 ist kein Naturgesetz. Menschen machen Regeln und können sie ändern. 2. Kinder sind unreif, beeinflussbar, verdoppeln nur die Stimmen der Eltern. Hm. Einerseits: Echt? Andererseits: Selbst wenn. Gibt es danach etwa eine Reifeprüfung? Was ist mit Verschwörungsideologen und Demenzkranken? 3. Die interessieren sich gar nicht richtig für Politik. Wirklich? Die größte politische Bewegung der letzten Jahrzehnte ist eine Kinderbewegung: "Fridays for Future". Bei der U18-Wahl in Bayern haben gerade so viele wie noch nie mitgemacht - obwohl die Stimme gar nicht zählt. Sie haben gezeigt, dass sie wählen wollen. Das Recht zu wählen macht Politik interessant.

Manche Forschende fordern ein Wahlrecht ab 16, andere von Geburt an, oder besser: von dem Alter halt an, wenn man will, es allein in die Wahlkabine schafft, einen Stift halten und ein Kreuzchen machen kann. Wieder andere fordern sogar doppelte Stimmen für Kinder. Je mehr Leben man noch vor sich hat, desto mehr soll die Stimme zählen. Bei der Frage nach einem Wahlrecht für Kinder geht es ums Prinzip: Wenn die Zukunft das Wichtigste der Politik sein soll, dann führt kein Weg daran vorbei, Kinder und Jugendliche zu beteiligen. Los jetzt!

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