Wären Wettkratzen, Kammerjagd oder Pustelzählen olympische Disziplinen, ginge es in Paris vielleicht gerade entspannter zu. So aber herrscht helle Aufregung: Die Bettwanzen sind los. In Hotels, Wohnungen, Kinos, der Metro und Cafés wurden die bissigen Insekten schon gesichtet, sogar ins Parlament haben sie es geschafft - in einer Box, mit der eine Abgeordnete auf das Problem aufmerksam machen wollte.
Das scheint im Gegensatz zu den apfelkernkleinen Tierchen ziemlich groß zu sein: Jeder zehnte Haushalt war schon betroffen, die Kammerjäger hatten diesen Sommer 65 Prozent mehr Aufträge als im vergangenen Jahr. Und das ausgerechnet, bevor Paris in wenigen Monaten die Olympischen Spiele ausrichtet und Millionen Besucher erwartet. Da sind die Bettwanzen nicht gerade Werbung. Wobei: Sie kommen vor allem an Orten vor, die viele Menschen gerne besuchen. Paris ist also in bester Gesellschaft - etwa mit New York, Rom und Berlin.
Dabei galten die kleinen Blutsauger vor 30 Jahren schon fast als ausgestorben. Dass sie sich nun wieder stark ausbreiten, hat viele Gründe: Der Klimawandel etwa sorgt für wanzenfreundliche Temperaturen, außerdem sind die Tiere mittlerweile immun gegen viele Insektengifte. Und durch die Reiselust der Menschen können sie in Koffern oder auf Kleidung durch die ganze Welt trampen. Dabei sind sie nicht wählerisch, mögen Luxushotels genauso gerne wie Jugendherbergen. Hauptsache, es gibt Ritzen zum Verstecken und Menschenblut zum Anzapfen.
Frischhaltefolie, heißer Dampf und Spürhunde sollen das Problem lösen
Klingt wie eine Gruselgeschichte für Halloween? So schlimm ist es nicht: Zwar saugen die Mini-Vampire tatsächlich gerne Blut, aber das tut nicht weh und ist nicht gefährlich. Fies jucken können die Bisse trotzdem. Paris setzt nun auf heißen Dampf, Spürhunde und Frischhaltefolie um Polstermöbel, um die Plage einzudämmen. Vielleicht gibt es ja bald eine Goldmedaille im Wanzenkampf?
