Was wäre, wenn wir Menschen ganz anders lachen würden, als wir es tun? Also nicht mehr den Mund zum Smiley biegen und all das andere, was mit dazugehört: die verengten Augen mit den Fältchen rundherum, das Wiehern, Gackern, Glucksen, die bebenden Nasenlöcher, die Luftsalven, die stoßartig durch die Lungenflügel zucken. Aus, vorbei. Jetzt ganz anders. Wir könnten – Vorschlag – mit den Ohren wackeln. Hihi, witzig und wackel, wackel. Die Fußsohlen würden dazu vielleicht jucken, so als ob uns jemand kitzeln würde. Oder die Kniekehlen. Wir würden ganz automatisch – und ohne uns dagegen wehren zu können – den Arm schwingen. So ein neues Lachen bräuchte vielleicht ein bisschen mehr Platz, wenn da jemand lauthals beidarmig rumrudert. Klar, das wäre manchmal ein wenig unpraktisch: auf dem Fahrrad etwa (was für Schlangenlinien!) oder in der Badewanne (was für eine Sauerei!), aber witzig wäre es. Und – ein weiterer Vorteil – endlich könnten wir alle mit den Ohren wackeln. Ein Witz genügt.
Lachen ist ein großes Ding. Es ist ansteckend, befreiend, kribbelt im ganzen Körper und ist – sagen Forschende – sehr, sehr gesund. Fast 300 Muskeln zucken da, das Zwerchfell hüpft, die Lunge wird geflutet. Lachen feiert das Leben, ist ein Minikontrollverlust: Jetzt lache ich, alles andere ist egal. Es ist ein Mikrourlaub vom anstrengenden Schulalltag und später auf Datingportalen, auf denen Erwachsene Partner oder Partnerinnen („unbedingt mit Humor“) suchen, eine Art Superkraft.
Lachen ist aber auch ein sehr mächtiges Menschending. In einem Monat wird in den USA ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin gewählt. Es ist sicherlich die wichtigste Wahl unserer Zeit. Donald Trump oder Kamala Harris? Eine Sache, die dabei wahlentscheidend sein könnte, ist ausgerechnet das Lachen. Während Trump für Spott und Hohn bekannt ist, zeigt Harris ein lautes, furchtloses, herzliches Lachen. Wer gewinnt?
Zwischen Lachen und Auslachen liegen eigentlich nur drei Buchstaben Unterschied – und doch könnte es sich nicht unterschiedlicher anfühlen. Es gehört zur Macht des Lachens, dass sich auch Schadenfreude und Gehässigkeit dem Grinsen bedienen.
Lachen, also echtes Lachen, ist gerade mal 162 Jahre alt. Das stimmt natürlich nicht so ganz, denn auch davor wurde natürlich schon geprustet und gegrölt. Es wurde sich beömmelt, schepp und scheckig, krumm und bucklig gelacht. Und ja, auch schlapp und schief. Manche zerreißt es so, dass sie auf einmal pupsen. Das war schon immer so. Bloß entdeckt wurde das echte Lachen erst im Jahr 1862. Der französische Arzt Duchenne de Boulogne entdeckte als erster den großen Jochbeinmuskel, von ihm „Muskel der Freude“ genannt und andere Lachmuskeln. Das echte Lachen wird deswegen heute auch Duchenne-Lachen genannt (das spricht man so, als ob jemand ohne jede Französischkenntnisse das Wort „Duschen“ auf Französisch aussprechen will). Alles andere ist Nicht-Duchenne-Lachen. Manche nennen es Pan-Am-Lachen. Pan Am war eine große Fluggesellschaft, gemeint ist damit: das Lächeln von einem Steward oder einer Stewardess: reiner Service, nicht echt.
Das – fast möchte man sagen – Lustige an dem Ganzen: Der eigene Körper weiß nichts von Duchenne und Pan Am, ist dümmer als der Kopf. Er lässt sich schon durch Mundwinkelhochziehen aufheitern. Und hier kommt die Idee von Lachyoga ins Spiel. Das haben Erwachsene erfunden. Wenn Lachen gesund ist, dachten sie, und es egal ist, ob wir künstlich oder natürlich lachen, dann los: etwa Baumlachen. Dafür steht man hinter einem Baum, fasst den Stamm und schaut mal zur linken und mal zur rechten Seite am Baum vorbei. Bei freier Sicht soll, ja muss man lachen, egal wie. Oder Scheibenwischerlachen. Dabei wedelt man mit dem Unterarm vorm Gesicht herum. Dieser Scheibenwischer gibt den Takt für die Lachsalven. Klingt anstrengend bis irre – und ist zumindest von außen betrachtet auch nur so halb witzig. Jetzt haben sie sogar eine Weltmeisterschaft im Lachen daraus gemacht. Der Titel ging dieses Jahr nach Deutschland. Die aktuelle Lachyogaweltmeisterin heißt Romy Einhorn und kommt aus Dresden. Mit den Ohren wackeln kann die aber auch nicht.
Wir wollen das anders probieren, ohne Scheibenwischer, eher mit Kribbelglück und Lachbauchweh. Zum 18. Mal lädt die SZ zur Nacht der Autorinnen und Autoren ein. Die Nacht wird quasi volljährig – da darf die SZ für Kinder natürlich nicht fehlen, mit allem, was Spaß macht: Schimpfworträtsel und Mikrowitz, Sekundenmärchen und auf Wunsch auch persönlicher Lieblingswitzberatung. Mit dabei ein fast unbestechlicher Applausometer – fürs Witzduell, bei dem ihr live gegeneinander antreten könnt: am 11. Oktober um 16.30 Uhr im Münchner Volkstheater. Für Kinder und begleitende Erwachsene ist der Eintritt frei. Nulleurotickets gibt es unter sz-erleben.de/nda.
