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SZ-Werkstatt:Wo Wasser alles ist

Afrika-Korrespondent Bernd Dörries über besondere Statussymbole und Herzlichkeiten im Sudan, wo er für eine Nil-Reportage in dieser SZ-Ausgabe unterwegs war. Eine Recherche zwischen Großzügigkeit und Machtkalkül.

Ahmed el-Tayeb überbringt zur Begrüßung einen riesigen, gut gekühlten Becher Mango-Lassi, eine schöne Erfrischung an einem Nachmittag in Khartum, an dem die Temperatur immer noch um die 40-Grad-Marke herumlungert. In deutschen Firmen sitzen die Chefs oft in Eckbüros, hier im Sudan sind ausladende Kunstleder-Sofalandschaften ein Zeichen, dass man es nach oben geschafft hat in der Hierarchie, gleich zwei davon schlängeln sich durch das Arbeitszimmer des Direktors des Nationalen Wasserforschungszentrums des Sudan. Ein paar Hundert Meter entfernt fließen Blauer und Weißer Nil zusammen, die auch Thema des Interviews sind, beziehungsweise der Staudamm, den die Äthiopier ein paar Hundert Kilometer weiter oben bauen wollen. Er wird das Leben im Sudan verändern, einem Land, wo Wasser alles ist. Man kann sich schwerlich ein heikleres Thema vorstellen hier. In Berlin wären wahrscheinlich zwölf Pressesprecher anwesend, die jedes Zitat unter die Lupe nehmen würden.

El-Tayeb spricht fröhlich und bietet weitere Mango-Lassi an, die er vorhin selbst geholt hat. Er erkundigt sich nach dem Befinden der Familie und würde einen nach dem Interview nach Hause fahren, würde man ihn bitten. El-Tayeb ist der freundlichste Interviewpartner, den man sich denken kann, so wie fast alle Sudanesen in Khartum die freundlichsten Menschen sind, die man je getroffen hat. Auf der Straße halten Taxis an, nehmen einen mit und weigern sich, nur eine Kleinigkeit dafür zu bekommen. Der Fremde ist König. Er wird von sudanesischen Bekannten zum Essen eingeladen, ohne ein sudanesisches Pfund der Rechnung übernehmen zu dürfen. Als "aggressive Großzügigkeit" hat mir ein Sudanese dieses System erklärt. Die Regierung des Landes mag lange aus Schurken bestanden haben, die Menschen sind anders. Das vergisst man in Europa leicht, von wo aus Biografien oft anhand politischer Systeme bewertet werden. Für el-Tayeb bin ich wahrscheinlich kein Deutscher, sondern ein Mensch, der noch ein Mango-Lassi vertragen könnte, zwischendurch, auf Wasser-Recherche am Nil.