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SZ Werkstatt:Wieso schreiben Sie so häufig über Indexfonds?

Geldreporter Nils Wischmeyer über Aktienfonds und ETF und den Vor- und Nachteilen für Sparer, die bei der Geldanlage lieber auf eine durchschnittliche Wertentwicklung setzen als auf Spitzenergebnisse.

Nils Wischmeyer

Nils Wischmeyer schreibt seit 2017 für die SZ über Geldthemen und Fintechs. Einen Teil seines Ersparten legt auch er in Indexpapiere an.

(Foto: privat)

Im Wirtschaftsteil lese ich als Empfehlung sehr oft Exchange Traded Funds (ETF). Ich glaube an die Unabhängigkeit dieser Zeitung, hier kommen mir aber manchmal Zweifel. Dieses Produkt ist durchaus preiswerter, aber in der Leistung kaum besser als aktiv geführte Fonds. Zu oft wird mir aber der Grund dafür nicht genannt.

André Richter, Ottobrunn

Die absolute Wahrheit, es gibt sie leider nicht. In der Liebe nicht, im Beruf nicht und nicht an der Börse. Wir können nicht pauschal sagen, dass Produkt A besser sein wird als Produkt B, oder dass ein Exchange Traded Fund (ETF), also ein börsengehandelter Indexfonds, immer besser ist als jeder aktiv gemanagte Fonds.

Als Redaktion recherchieren wir intensiv zu Verbraucher- und Finanzthemen, eignen uns komplexe Sachverhalte an, arbeiten Studien durch und sprechen mit Menschen, die es besser wissen: Professoren, Managern, Experten. Sie wiederum verweisen uns auf weitere Fachleute, auf Studien, auf neue Perspektiven. Mal dauert eine solche Recherche Stunden, viel öfter Tage, sind die Fragen doch meist komplex. Am Ende aber haben sie das immer gleiche Ziel: Wir wollen, dass unsere Leserinnen und Leser am Ende besser dastehen als vorher - weil sie bei uns ein gutes Angebot entdeckt haben, wir sie vor Abzocke gewarnt haben, oder weil sie dank solider Finanzplanung ein paar Euro mehr zur Seite haben, wenn es in Rente geht.

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Es ist daher vollkommen richtig, dass wir oft empfehlen, einen Teil des Geldes in diese Indexfonds zu stecken. Diese steigen, wenn ein Index steigt, beispielsweise der Deutsche Aktienindex, und sinken, wenn er fällt. Relativ stumpf. Weil es dafür nun keinen Manager braucht, sind ETFs im Schnitt gebührentechnisch sehr günstig im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. Hinzu kommt: Ein ETF kann den Markt nicht schlagen, ist immer Durchschnitt. Das mag zunächst nach einem Argument dagegen klingen, das ist es aber nicht. So schneiden aktive Fonds zwar regelmäßig besser ab als der Markt, doch zum einen nicht auf lange Sicht, und zum anderen ist es fast nie derselbe Fonds, der den Markt Jahr für Jahr schlägt. Das heißt für Anleger: Wer im einen Jahr mit einem Fonds komplett richtiglag, kann mit demselben Produkt im Jahr darauf auch deutlich verlieren. Garantien gibt es nicht. In Europa schlugen in den vergangenen fünf Jahren nicht mal 30 Prozent der Fondsmanager den Markt, auf zehn Jahre dürften es noch weniger sein. Da bleiben wir lieber Durchschnitt. nwis

© SZ vom 24.11.2020
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