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SZ Werkstatt:Wie viel Papier braucht es für die SZ?

Druckingenieur Martin Lorenz über Recyling in der Zeitungsproduktion.

Martin Lorenz

Martin Lorenz, Druckingenieur, arbeitet mit seinen Kollegen daran, dem anspruchsvollen Inhalt der Zeitung eine ebensolche Form zu geben. Nachhaltigkeit und Wiederverwertung von Materialien spielen dabei eine immer wichtigere Rolle.

(Foto: privat)

Wie viele Tonnen Papier werden eigentlich für eine Wochenendausgabe der SZ benötigt, wenn allein schon eine einzige Zeitung mehr als 500 Gramm wiegt? Und wie vielen Bäumen entspricht das?

Jochen Döring, Haar

Wenn Sie in München und Umgebung wohnen, besteht Ihre Zeitung am Wochenende in der Regel aus drei Teilen - dem Hauptprodukt oder Zeitungsmantel mit den bekannten Lagen Politik, Buch Zwei, Feuilleton, Wirtschaft, Wissen und Sport, einem Vorprodukt, in welchem die Kollegen zu Gesellschaft und Stil schreiben - sowie auch Rubriken wie Stellen-, Wohnungs-, Immobilien- und Kfz-Markt ihren Platz finden; und dem Lokalteil mit der Berichterstattung aus München, der Region und Bayern. Hinzu kommen in bestimmten Abständen Veröffentlichungen zu Sonderthemen, Magazine und Einzelhandelsbeilagen. Im Normalfall wiegt solch eine Ausgabe um die 400 Gramm, kann aber an bestimmten Tagen auch schon mal an der 900-Gramm-Marke kratzen. Nimmt man nur die regulären Zeitungsteile, so verarbeiten alle Druckereien, in denen die Süddeutsche Zeitung produziert wird, zusammen für das Wochenende eine durchschnittliche Papiermenge von circa 135 Tonnen.

Mit dem zweiten Teil der Frage geben Sie uns Gelegenheit, auf einen weitverbreiteten Irrglauben zu reagieren, nach welchem für das Erscheinen von Zeitungen hierzulande kostbare Wälder gerodet werden müssten. Dazu sollte man zunächst erwähnen, dass der deutsche Wald nicht weniger wird, sondern durch nachhaltiges Wirtschaften und intensives Aufforsten jährlich sogar an Fläche zunimmt, in den vergangenen zehn Jahren immerhin um circa 50 000 Hektar (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft). Zudem haben sich alle wichtigen Papierhersteller, Verlage und Verbände beziehungsweise Betriebe der Druckindustrie schon seit Jahren in der Agrapa (Gesellschaft für Papierrecycling mbH) zusammengeschlossen und in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium eine Verwertungsquote für grafische Papiere erarbeitet. Aktuell werden demnach mehr als 83 Prozent aller Bedruck- und Verpackungsstoffe dem Recycling zugeführt.

Für die SZ gilt darüber hinaus, dass das Papier, das wir in unseren Druckereien einsetzen, überwiegend aus Altpapier regionaler Herkunft besteht und, aus Gründen der Stabilität, einen nur sehr geringen Anteil an Frischfasern aufweist. Dieser wiederum, auch das ist wichtig zu wissen, kommt keinesfalls aus dem Stammholz eines gefällten Baumbestands, sondern wird dem Rohstoff entnommen, der bei der notwendigen Durchforstung und den Abfällen von Sägewerken anfällt. Wenn Sie nun noch in Betracht ziehen, dass in den Druckereien nahezu alle eingesetzten Arbeitsmittel wie Papiermakulatur, Waschmittel, Verpackungsmaterialien und Altmetalle einer Sekundärverwertung zugeführt werden, dann sieht die Ökobilanz einer Tageszeitung auf einmal gar nicht mehr so schlecht aus und kann sich unter Einbezug sämtlicher Einflussgrößen neben der eines handelsüblichen Smartphones durchaus sehen lassen. Martin Lorenz

© SZ vom 10.11.2020
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