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SZ-Werkstatt:Wie und was lernen Volontäre?

Sara Maria Behbehani, 27, geboren in Bremen, volontiert seit August 2019 bei der Süddeutschen Zeitung und arbeitet derzeit beim Buch Zwei. Christoph Koopmann, Jahrgang 1995, ist seit Dezember 2019 SZ-Volontär, derzeit im Ressort Innenpolitik.

(Foto: privat)

Zum Anlass des 75. Geburtstags der Zeitung haben wir viele grundsätzliche Fragen unserer Leser gesammelt, die wir in dieser Rubrik beantworten und Einblicke in den Arbeitsalltag geben.

Wie viele Volontäre hat die SZ? Wie sieht ihr Arbeitsalltag bei der SZ aus? Was lernen sie alles? Dürfen sie schon von Anfang an Artikel veröffentlichen? Sophie Gruner, München

Durch die SZ-Gebäude laufen meist 16 Volontäre, acht aus jedem Jahrgang. Der Arbeitsalltag dürfte bei jedem ein bisschen anders sein. Das bringt nicht nur der Journalismus an sich mit, der durch die Menschen, denen man begegnet, jeden Tag ein bisschen anders ist, sondern auch das Volontariat im Speziellen. Volontäre arbeiten nie über längere Zeit in einem Ressort - im Normalfall höchstens drei Monate, denn sie sollen möglichst viel vom Redaktionsleben mitbekommen. Dabei gibt es Pflichtstationen und solche, die sie frei wählen können. Vorgeschrieben ist ein Abschnitt in der Region in und um München, um Lokaljournalismus kennenzulernen, eine Station in einer Online-Redaktion und eine in Berlin, um der Politik in der Hauptstadt zu begegnen.

Viel hängt dann auch von den eigenen Interessen ab. Im Buch Zwei etwa lernt man das Schreiben der großen gesellschaftlichen Reportagen kennen, in der Innenpolitik komplexe Sachverhalte und Debatten verständlich darzustellen. Alles in allem soll die Ausbildung dazu führen, dass die Volontäre wissen, wo in der SZ sie hinwollen, und die SZ weiß, wo sie hinpassen - im besten Fall stimmt das überein. Und egal, in welchem Fachbereich die Volontäre sich gerade umtreiben: Sie dürfen (und sollen) schon von Tag eins ihrer Ausbildung an eigene Artikel recherchieren und schreiben. Eine gewisse Eingewöhnungszeit im jeweiligen Ressort ist ihnen vergönnt; sich etwa als Feuilletonfachfrau in außenpolitische Themen einzuarbeiten geht schließlich nicht binnen eines Tages. Das hauptsächliche Lernziel im Volontariat ist: gute Geschichten gut zu erzählen. Im Idealfall wissen die Volontäre nach den zwei Jahren auch, wie man Zeitungsseiten gestaltet, die Website mit Artikeln bestückt oder die digitale Ausgabe produziert.

Doch obwohl das Volontariat keine klassische duale Ausbildung mit gleichen Anteilen von Berufspraxis und -schule ist - um die Theorie kommen die SZ-Volontäre nicht herum. Einmal im Monat gibt es Seminare. Da lernen die "Volos" dann, Kommentare zu schreiben, digitale Multimedia-Reportagen zu produzieren, oder - auch nicht verkehrt - Bilanzen von Unternehmen zu analysieren. SBEH/CHRK

© SZ vom 04.07.2020

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