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SZ Werkstatt:Welche Bedeutung haben Agenturen?

Nachrichtenspezialistin Catherine Hoffmann über die Rolle von dpa, Reuters und Co.

Autorenportrait

Catherine Hoffmann gehört zum Team der SZ-Nachrichtenchefs. Deren Aufgabe ist es, eine Auswahl zu treffen: Welche News sind so relevant, dass wir eine Meldung oder einen längeren Artikel dazu machen?

(Foto: Friedrich Bungert)

Sind klassische Nachrichtenagenturen (dpa, AP, AFP, Reuters etc.) angesichts der digitalen Informationsflut noch wichtige Quellen für die SZ? Haben Ihre Korrespondenten Zugriff auf die Agenturen?

Heinz Wagener, Bonn

Nachrichtenagenturen haben noch immer eine Schlüsselfunktion in der täglichen journalistischen Arbeit der SZ. Für Redakteure am Newsdesk, wo die Nachrichten für die Zeitung, ihre Homepage und die Digitalausgabe entstehen, beginnt der Tag mit einem Blick durch die Agenturen; in den kommenden Stunden werden sie noch oft nachsehen, was es Neues gibt. Welche Ereignisse bewegen gerade die Welt? Agenturen versorgen die Redaktion mit Nachrichten aus Politik und Wirtschaft, Panorama, Sport und anderen Ressorts; Nachrichten sollen hier verstanden werden als möglichst objektive Darstellungen aktueller Ereignisse, die wesentliche Informationen kurz zusammenfassen. Agentur-Journalisten sind nicht nur der Objektivität verpflichtet, sie sollen auch schnell und zuverlässig verständliche Texte liefern; das unterscheidet ihr Angebot von vielem, was aus dem Netz kommt. Neutralität und Nüchternheit machen Agenturen so unentbehrlich.

Hinzu kommt: Kein einziger Redakteur, keine Korrespondentin kann alle relevanten Themen allein im Blick behalten. Dafür sind es zu viele. Und nicht alle Meldungen sind gleich wichtig, nicht alle kann und will die SZ veröffentlichen. Aufgabe ist es, eine Auswahl zu treffen - und die Nachrichtenagenturen sind dabei meist eine Orientierungshilfe.

Unverzichtbar sind Agenturen auch als Fotolieferanten. Reuters, dpa, AP und Getty bieten im Abonnement täglich unzählige Bilder zu Ereignissen aus allen Ressorts und Regionen an. Müsste die Bildredaktion für jede Geschichte, die veröffentlicht wird, selbst einen guten Fotografen suchen, käme sie mit der Arbeit nicht hinterher. So findet sie für die meisten Themen bei klassischen Bildagenturen Material. Wenn sie dort nicht fündig wird oder ein ungewöhnliches, möglichst einzigartiges Foto gefragt ist, hilft allerdings nur der direkte Kontakt zu Fotografen. choff

© SZ vom 17.10.2020

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