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SZ-Werkstatt:Über Geld spricht man doch

Wirtschaftsredakteur Thomas Öchsner ist seit mehr als zwanzig Jahren mit Finanzthemen vertraut. Über Tabus, die keine mehr sind, die große Angst der Deutschen vor der Börse und angeblich heiße Aktientipps.

"Über Geld spricht man nicht" - zumindest die Älteren unter uns kennen diese Redensart. Viele SZ-Leser halten sich daran längst nicht mehr. Sie fragen sich, wie sie Erspartes in Zeiten von Null- und Niedrigzinsen gewinnbringend anlegen können. Sie sorgen sich um ihre Rente. Sie regen sich auf, am häufigsten übrigens über den vollen Krankenversicherungsbeitrag, der mal auf ihre Betriebsrente fällig werden wird. Und ja, sie reden über ihr Geld und wenden sich dabei mit ihren Sorgen häufiger als bei vielen anderen Themen an die Wirtschaftsredaktion, manchmal (aber immer seltener) sogar mit einem handgeschriebenen Brief, der im Eingangskorb des Redakteurs landet (den gibt es auch noch).

Woran das liegt? Geht's um Geld und die Verträge drumherum, fühlen sich auch viele SZ-Leser wie Millionen andere Deutsche unsicher und ahnungslos. Nicht wenige haben zur Jahrtausendwende mit der Telekom-Aktie oder mit Internetbuden, die sich später als Luftnummern herausstellten, einen Haufen Geld verloren, sie winken schon ab, wenn sie das Wort Börse nur hören. Die Lust, sich mit dem Zulagenantrag für die Riester-Rente, den Ausnahmeklauseln in der Hausratversicherung oder den 24 Fußnoten im Handyvertrag zu befassen, ist ohnehin ungefähr so groß, wie die eigene Steuererklärung auszufüllen. Und dann ist da noch die Frage: Kann ich dem jovial lächelnden Berater in der Bank wirklich trauen? Oder will der mir nur deshalb den so irre attraktiven Asienfonds andrehen, weil der Vertriebschef gerade die Asienwochen ausgerufen hat?

Thomas Öchsner hat sich schon mit Finanzthemen befasst, als der Schauspieler Manfred Krug noch für die Telekom-Aktie warb - verdammt lang her. Seine T-Aktien hat Öchsner noch rechtzeitig verkauft, an der Börse verzockt hat er sich aber schon mal.

(Foto: privat)

Das Interesse, sich bei jemandem zu informieren, der nicht an seine nächste Provision denkt, ist jedenfalls groß. Die SZ-Wirtschaftsredaktion hat deshalb zuletzt verstärkt über Geld- und Verbraucherthemen berichtet, in den vergangenen fünf Wochen zum Beispiel mit einer zehnteiligen Serie zur Altersvorsorge (sz.de/altersvorsorge). Neu ist auch das Videoformat "Unterm Strich", in der alle zwei Wochen ein Geldthema erklärt wird. Angeblich heiße Aktientipps gibt es bei uns allerdings nicht - davon halten wir nämlich gar nichts.