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SZ Werkstatt:Teamarbeit

Finanz­korrespondentin Meike Schreiber über verschiedene Rollen bei Gemeinschafts-Recherchen und schreiberischer Arbeitsteilung.

Meike Schreiber bevorzugt Teamarbeit auch, weil es mehr Spaß macht. Sie leitet das Frankfurter Korrespondentenbüro der SZ.

(Foto: privat)

Wie funktioniert das, wenn mehrere SZ-Journalisten gemeinsam einen Beitrag recherchieren und schreiben? Wie läuft das redaktionell ab, und wer wählt nach welchen Kriterien das jeweilige Team aus?

Hermann Fuchs, München; Armin Schuster, Mönchengladbach und Engelbert von Berg, Gangelt in Nordrhein-Westfalen

Die Teamarbeit bei der SZ folgt keinem festen Prozess, sondern wird jeden Tag neu erfunden. Bei uns im Frankfurter Korrespondentenbüro zum Beispiel funktioniert das so: Wir berichten zu viert über den Finanzplatz und die Banken, also Markus Zydra, Jan Willmroth, Victor Gojdka und ich. Die Themen sind nicht nur vielseitig, sondern auch häufig sehr kompliziert. Teamarbeit ist daher unerlässlich. Die Themen sind nicht nur vielseitig, sondern auch häufig sehr kompliziert. Teamarbeit ist daher unerlässlich. In der Morgenkonferenz bringt eine oder einer von uns ein Thema ein: Sollten wir nicht dringend ein Stück machen über das Versagen der Finanzaufsicht Bafin im Wirecard-Fall oder über Börsengänge oder sonst etwas... Manche Themen kann man gut alleine bearbeiten, bei anderen aber haben mehrere Kollegen etwas beizutragen, etwa, weil jemand gerade mit einem Experten gesprochen hat. Wenn die Ressortleitung in München das Thema gutheißt, verständigen wir uns darauf, wer den Text "zusammenschreibt" und wer "zuliefert". "Zusammenschreiber" ist häufig derjenige, der am meisten Ahnung hat, oder wer am schönsten schreiben kann. Zuliefern können mehrere. Sie schicken dann Zitate oder mehrere Absätze. Der "Zusammenschreiber" komponiert den Text, kann dem Artikel den eigenen Stil aufdrücken, und auch auswählen, welche Zulieferungen wie Platz finden. Damit das funktioniert, muss man sich vertrauen und ein ähnliches journalistisches Verständnis haben. Vor Veröffentlichung des Beitrags lesen alle noch mal den Text, ob er in Ordnung ist. Die Autorennamen werden alphabetisch angeordnet.

Wir können uns auch über Ressort- und Ländergrenzen hinweg neu zusammenwürfeln. Etwa bei unseren Recherchen zu den FinCEN-Files, also jenem Datenleak einer US-Behörde, über das wir vergangene Woche geschrieben haben. Oder auch zu Wirecard. In beiden Fällen haben das Wirtschafts- und das Investigativressort zusammen recherchiert und geschrieben - im Fall der FinCen-Files sogar zusammen mit einem internationalen Recherche-Verbund. mesc

© SZ vom 26.09.2020

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