SZ-Werkstatt Starke Nerven, warme Socken

SZ-Redakteurin Dunja Ramadan.

(Foto: Erol Gurian)

Dunja Ramadan, Redakteurin im Ressort Außenpolitik, wird demnächst für einige Monate aus dem Nahen Osten berichten. Doch wie verhält man sich dort in Krisensituationen? Ein Kurs bei der Nato schafft Klarheit.

Journalistenkollegen, die schon dort waren, schreiben am Abend vor der Reise zum Bundeswehrtraining nach Hammelburg Mails wie: "Warme und viele Socken mitnehmen" und "Starke Nerven wären auch nicht schlecht". In einem fünftägigen, durch die Nato zertifizierten Intensivkurs (Kursbeginn ist um 7.15 Uhr) soll man als Journalistin auf den Einsatz in Krisenregionen vorbereitet werden. Auf dem Stundenplan, den es nicht gibt, weil alles immer und überall passieren kann, stehen Geiselnahmen, Waffen- und Minenkunde, Erste-Hilfe-Kurse sowie richtiges Verhalten bei Beschuss und Sprengladungen. Das tägliche Outfit besteht aus einer kugelsicheren Tarnweste, die sich nach mehreren Stunden wie eine Ritterrüstung anfühlt, und einem olivfarbenen Helm. Man lernt, wie man reagiert, wenn eine Handgranate geworfen wird, in welchen Farben und Formen Minen auftreten und wie man bei schweren Verletzungen den Blutfluss stoppt. Man lernt aber auch, wie man statt Google Maps einen Kompass benutzt und wie man in Stresssituationen eine Teamplayerin bleibt.

Ziel des Krisentrainings ist aber vor allem eins: Wie reagiere ich persönlich auf Bedrohung, Waffen, (Kunst-)Blut, auf Psychostress und Schikane? Oder auf Dunkelheit, mehrere Stunden lang. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr fühlen nach, wollen sensibilisieren für Situationen, in denen man schnell reagieren muss. Wer für ein paar Monate in den Nahen Osten geht, der muss sich nicht ständig umdrehen, nach einer geeigneten Deckung suchen und allen Menschen misstrauen, aber man sollte - wie leider überall auf der Welt mittlerweile - bestimmte Grundkenntnisse haben, die einem selbst und am besten auch der Umgebung bei akuter Bedrohung helfen könnten. Das schrecklich frühe Aufstehen war also eher eine der leichteren Übungen.