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SZ-Werkstatt:Puzzlen, bis es passt

Christopher Stelmach

Christopher Stelmach bildet zusammen mit 14 anderen Kollegen das Layout-Team der SZ. Die gelernten Schriftsetzer, Grafiker und Mediengestalter tüfteln täglich in zwei Schichten an der Print- und Digitalausgabe.

(Foto: privat)

Layouter Christopher Stelmach über die Kunst, die Zeitung täglich so zu gestalten, dass der Platz am Ende immer aufgeht.

Wie schafft man es, dass der Platz in der Zeitung genau aufgeht und keine Lücken entstehen?

SZ-Leserin Svetlana Dietz

Es ist im Grunde wie das Legen eines großen Puzzles, bei dem vielleicht mal ein Teil übrig bleiben darf, aber keinesfalls etwas fehlen soll. Sie wollen ja schließlich in Ruhe den Text auf der Seite lesen und nicht mittendrin auf eine Lücke stoßen und gar den Anschluss verlieren (ist uns leider trotzdem schon mal passiert, weil uns das Redaktionssystem ab und zu gerne auch Streiche spielt).

Um also eine Seite bis auf die letzte Zeile zu füllen, bedarf es einer Teamarbeit über den Tag hinweg: Zusammen mit Ressortverantwortlichen versuchen wir aus der Abteilung Layout, möglichst alle wichtigen Themen des Tages auf den Seiten unterzubringen. Planen Fotos und eventuell passende Grafiken dazu ein und geben somit Längen für die Texte vor. Je nach Weltgeschehen, werden Seiten öfter am Tag umgeplant, weil Themen herausfallen oder wichtiger werden. Autoren werden dann gebeten, mehr oder weniger Zeilen zu schreiben.

Allerdings ist es im Allgemeinen gegen die Natur eines Schreibenden, sich von einer begrenzten Zeitungsseite diktieren zu lassen, wann der Text ein Ende haben muss. Hier gibt es nun drei Möglichkeiten: Handeln gegen die Natur und "auf Zeile schreiben", also den Text so verkürzen, dass er in den vorgesehenen Platz passt. Oder mit uns Layoutenden verhandeln, ob wir nicht das Bild ein wenig kleiner machen können oder einem anderen Text ein paar Zeilen nehmen, damit es passt. Und die dritte Möglichkeit besteht darin, dass es zwei Versionen eines Textes gibt. Eine kürzere Print-Fassung und eine ausführlichere Version für unsere Digital-Ausgabe. Egal, welchen Weg man wählt, zu Redaktionsschluss müssen die Ressortverantwortlichen Texte so redigiert haben, dass wir eine fertige Seite zur Druckerei schicken können. Wie schnell es oft gehen muss, zeigt sich besonders bei Fußballspielen: Zehn Minuten nach Abpfiff muss die entsprechende Seite abgeschlossen sein, und dank geübter Schreiber und Puzzler ist sie das meist auch.

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© SZ vom 25.07.2020

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