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SZ-Werkstatt:Nützliche Arbeit

(Foto: Schifferdecker)

Harald Freiberger hadert mit dem Begriff des Nutzwert-Journalismus. Jeder Artikel soll doch Lesern nützen, sie unterhalten, informieren, Tipps geben. Sonst wäre die Arbeit ja nutzlos. Und die Leserquote spiegelt das Gegenteil wider.

Irgendjemand könnte sich einmal darüber Gedanken machen, ob es für "Nutzwert-Journalismus" nicht ein schöneres Wort gibt. Das Nutztier schwingt immer mit, wenn es um Geldanlage, Steuern oder Versicherungen geht. So kommt es, dass man sich manchmal wie ein Lastesel fühlt, wenn man über dieses mühsame Geschäft schreibt. Denn wer macht schon gern die Steuererklärung, wer liebt es, mit dem Bankberater zu reden, wer liest das Kleingedruckte in Verträgen?

Und doch sind das die Themen, die viele Menschen in ihrem Innersten beschäftigen. Es gehört zu den wichtigsten Entscheidungen im Leben, sich gegen Risiken abzusichern und langfristig mit den richtigen Anlageprodukten für das Alter vorzusorgen. Gleichzeitig gehört es zu den schwierigsten Entscheidungen, weil der Markt für Finanzangelegenheiten unübersichtlich ist und von Anbietern dominiert wird, die in erster Linie das eigene finanzielle Interesse im Auge haben, nicht das des Verbrauchers.

Dem Leser in diesem Markt Orientierung zu geben, das ist die Aufgabe des Nutzwert-Journalisten. Die Nutzerzahlen zeigen uns, dass es eine lohnende Aufgabe ist. Wenn es um Rente, Geldanlage, Steuern oder Versicherungen geht, ist das Interesse der Leser immer besonders groß. Voraussetzung dafür ist, dass der Artikel auch wirklich nützt - zum einen mit einer nüchternen und kritischen Analyse der Lage, zum anderen mit konkreten Vorschlägen, wie Leser ihre finanziellen Dinge passend und preiswert regeln können. So soll es auch von kommender Woche an wieder sein, wenn in der SZ die Serie "Anlegen in Zeiten von Negativzinsen" startet. Viele Menschen machen sich Sorgen, was in diesen Zeiten aus ihrem Geld wird und fragen sich, wie sie es sinnvoll anlegen können. Die Serie wird in zehn Folgen im Wirtschaftsteil Alternativen zum Null- und Negativzins aufzeigen und damit hoffentlich nützen.

Vielleicht sollte man aber wirklich ein neues Wort für "Nutzwert-Journalismus" finden. Auch weil es klingt, als ob andere Formen von Journalismus nutzlos wären. Und das kann ja nun wirklich niemand behaupten.

© SZ vom 08.02.2020

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