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SZ Werkstatt:Lesen Sie andere Zeitungen?

Sportredakteurin Barbara Klimke weiß, dass es nie genügt, nur andere Zeitungen, in den Agenturen oder gar in den sozialen Medien zu lesen. Persönliche Präsenz ist bei Sportveranstaltungen für die SZ-Reporter unerlässlich.

Barbara Klimke; Barbara Klimke

Barbara Klimke hat Georg Hackl 2002 bei seiner Silberfahrt im Olympia-Eiskanal gesehen. Sie ist seit 2017 Sportredakteurin der SZ, war vorher unter anderem stell. Ressortleiterin der Berliner Zeitung.

(Foto: Frank Molter/OH)

Lesen die Sportreporter den Sportteil in anderen Tageszeitungen, um keine Meldung zu verpassen und immer auf dem Laufenden zu sein?

Gerd Wittmann, Olching

Beginnen wir kurz bei Georg Hackl, der nicht nur ein dreimaliger Rodel-Olympiasieger, sondern auch versiert im Umgang mit Nadel und Faden war. Bei Interviews konnte es passieren, dass er einen zerschlissenen Rennhandschuh aus der Tasche zog und ihn nebenbei mit feinen Stichen flickte. Erfahren hat man als Sportreporter dann Neues aus der Kufenwelt und so manches über das Wesen des Athleten, der diese eine Weile dominierte.

Wozu die Plauderei aus dem Nähkästchen? Um zu erklären, warum es in diesem Metier nie genügt, andere Zeitungen zu lesen, um auf dem Laufenden zu bleiben, weder heute noch zur Zeit des Hackl Schorsch. Auch im Sportressort der SZ liegt stapelweise die druckfrische nationale und internationale Tagespresse auf dem Tisch. Es gehört zum Morgenritual nachzulesen, was die Konkurrenz geschrieben hat - entweder auf Papier, Apps oder auf Onlineseiten. Aber tagesaktuelle Informationen muss sich der Sportreporter aus anderen Quellen holen.

Hierzu zählen, sozusagen als Grundversorgung, die Nachrichtenagenturen: die Deutsche Presseagentur (dpa) und der Sportinformationsdienst (sid). Sie liefern rund um die Uhr Relevantes aus allen Teilen der Sportwelt, vom Tabellenstand der spanischen Fußballliga bis zum jüngsten Corona-Fall im Schweizer Skisprung-Team. Klubs und Verbände verbreiten ihrerseits Neuigkeiten; viele Athleten melden sich auf eigenen Kanälen, etwa Instagram, zu Wort. Aber die verlässlichsten Informationen sind immer die, denen man selber auf den Grund gehen, die man selbst beschaffen kann: im Gespräch, am Telefon oder am Ort.

Die Sportreporter der SZ sind deshalb auch in Corona-Zeiten so viel wie möglich unterwegs: in Fußballstadien, in Tennisarenen oder an einer Rodelbahn. Denn wer nur in anderen Zeitungen blättert, erfährt nicht, dass geflicktes Sportgerät Teil der Erfolgsgeschichte sein kann.

© SZ vom 12.12.2020
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