SZ-WerkstattKampf dem Sommerloch

In den Ferien hilft nur Wörter sammeln nach der Maus-Frederick-Taktik: Nadeschda Scharfenberg über das Zeitungsmachen in der nachrichtenarmen Zeit.

Von Nadeschda Scharfenberg

In den Sommerferien sieht es in einer Redaktion nicht anders aus als in anderen Betrieben. Die Zahl der Anwesenden ist überschaubar, weil die Hälfte der Kollegen irgendwo am Strand rumliegt. Die verbliebene Hälfte ergeht sich in der Kantine in Urlaubsvorbereitungsgesprächen. Doch es gibt Zeitungsmenschen, denen in der warmen Jahreszeit der kalte Schweiß ausbricht: die Blattmacher, die dafür sorgen, dass die Zeitung voll wird. Und zwar gescheit voll, sodass jeder unserer sehr individuellen Leser darin Texte findet, die ihn ansprechen. Blattmacher sichten Themen, telefonieren mit Reportern, entscheiden, welcher Text gedruckt wird.

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(Foto: privat)

Nadeschda Scharfenberg, 38, kam 1999 als Praktikantin zur SZ, mit dem Ziel, Sportreporterin zu werden. Sie merkte aber schon im Volontariat, dass ihr das Blattmachen liegt. Seit 2008 ist sie Teamleiterin in der Bayernredaktion. Foto: oh

Das Blattmacher-Zauberwort heißt Mischung. Bei uns in der Bayernredaktion sind die Zutaten fürs perfekte Freistaat-Allerlei: ein Pfund Politik, 490 Gramm Provinz (70 aus jedem Regierungsbezirk), ein Löffel Brauchtum, ein Packerl Naturschutz und eine Prise Schmarrn, gut durchgerührt und hübsch angerichtet.

Was schon an normalen Tagen nicht einfach ist, wird im Sommerloch zur echten Herausforderung. Kaum Termine und kaum Kollegen, die was schreiben können. In manchen Jahren treibt ein Tier wie Kuh Yvonne sein Unwesen, aber erstens kann man sich darauf nicht verlassen und zweitens beschweren sich dann die Leser, ob einem nichts Besseres einfalle als wieder die Kuh... Was also tun? Stapel bilden hilft. Seit Wochen versuchen die Blattmacher, Themen aufzusparen. Die Geschichte über die Sorgen der Tankstellenpächter? Muss ja nicht sofort gedruckt werden. Auch der Besuch in Bayerns letzter Zigarrenmanufaktur kann warten. Zeitungmachen im Sommerloch funktioniert also nach der Maus-Frederick-Taktik: Wie die Kinderbuch-Figur sammelt man Wörter für die schwierigen Zeiten.

(Foto: sz)
© SZ vom 06.08.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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