bedeckt München 28°

SZ-Werkstatt:Immer im Betrieb

Sonja Zekri

Sonja Zekri leitet mit Andrian Kreye das Feuilleton, das wie der Rest der Zeitung fast vollständig aus dem Home-Office produziert wird. Davor war sie für die SZ Korrespondentin in Moskau und Kairo.

(Foto: Katharina Eglau)

Sonja Zekri, Ressortleiterin im Feuilleton, blickt auf den Corona-Lockdown zurück, der Veranstaltungen und persönliche Treffen unmöglich machte, aber für die Kolleginnen und Kollegen deshalb nicht weniger Arbeit bedeutete.

An manchen Tagen sieht das Feuilleton inzwischen wieder fast so aus wie in vor-pandemischen Tagen: aktuelle Theaterpremieren, Ausstellungen, die verlängert, verschoben oder gerade erst eröffnet werden, sogar der eine oder andere Kinofilm ist dabei, der nicht gestreamt wird, sondern tatsächlich genau dort läuft, im Kino nämlich. Es ist die Rückkehr dessen, was wir im Feuilleton abgeklärt "Betrieb" nennen und die kontinuierliche Produktion und sorgfältige Bewertung neuer Werke umfasst. Auch wenn Masken und Desinfektionsmittel immer noch eine wichtige Rolle spielen, sind die Aufführungen mit echten Musikern und Schauspielern für die Kritiker fast eine Befreiung. Anfangs konnten wir auch kleinere Inszenierungen würdigen, ein Wunder, dass überhaupt wieder gespielt wurde. Inzwischen müssen wir auswählen, kürzen, weglassen.

An Stoff mangelt es heute so wenig wie zu Beginn der Pandemie. Denn dass nach dem Shutdown des Kulturlebens nichts zu berichten gewesen wäre, glaubten bestenfalls Uninformierte. Welche Festivals wurden abgesagt? Welche Häuser oder Ensembles sind gefährdet? Wer unterstützt notleidende Künstler und was davon kommt an? Wie könnten Museen oder Opern wieder öffnen? Welchen Stellenwert haben Kultur und Kunst überhaupt für die Gesellschaft? Krisen und Zusammenbrüche sind Hochzeiten des Journalismus, das gilt für die Kultur nicht weniger als für die Wirtschaft. Mit Serien wie der "Überlebenskunst" oder "Welt im Fieber", das an diesem Wochenende zum letzten Mal erscheint, haben wir Formen für die Innen- (Ausgangsbeschränkung) oder Außenperspektive (globales Corona-Tagebuch) entwickelt. Und da zum Feuilleton auch Essays, historische oder politische Analysen gehören, lassen wir regelmäßig Gastautoren zu Wort kommen. Das Verhältnis von Corona- zu Nicht-Corona-Texten hat inzwischen eine angenehme Balance erreicht. Wir können Künstler in der Realität treffen, nicht nur im Video für Porträts oder Reportagen. Und einzelne Festivals wie Salzburg wird es auch wieder geben, wenn auch in geschrumpfter Form.

© SZ vom 13.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite