SZ-Werkstatt Digitales Blattmachen

Wie im SZ-Hochhaus jeden Tag eine digital optimierte Version der Zeitung entsteht - und warum sich das manchmal wie Bergsteigen anfühlt.

Von Britta Schönhütl

Britta Schönhütl, fast 30, hat noch nie eine Printzeitung gekauft, sitzt mit mindestens zwei E- Geräten in den Konferenzen und mag ihre Position sehr, die sie liebevoll als Digitalbeauftragte vom Dienst beschreibt.

(Foto: Sonja Marzoner)

Die Digitale Ausgabe der Süddeutschen Zeitung ist inzwischen mehr als nur die tägliche digitale Ausgabe der SZ. Viele Themen - die Buchmesse, eine Übersicht über all die vielen neuen Streaming-Serien oder Sonderprojekte wie "Meine Miete" - gibt es als extra gebündelte Sonderausgaben im digitalen Kiosk. An diesem Wochenende erscheint wieder so eine: Dann steht alles Wissens- und viel Lesenswertes zur anstehenden Landtagswahl in Bayern als Sonderausgabe im digitalen Kiosk. Die weiß-blaue Gemütslage vor der Richtungsentscheidung lässt sich in ihr auf vielfältige Weise erlesen und erleben, zudem gibt es einen vielsagenden Ausflug in die Vergangenheit: Eine Reportage von Herbert Riehl-Heyse aus dem Wahlkampf 1980 von Franz Josef Strauß gegen Helmut Schmidt. Das Stück wurde für die Sonderausgabe mit Bildern vom damaligen Duell digital neu aufbereitet. Es zeigt beispielhaft, wie die digitalen Ausgaben generell entstehen: im Teamwork.

Die Redakteure der digitalen Ausgabe stehen in ständigem Austausch mit den Print-, den Online- und den Foto-Kollegen. Meine Aufgabe als Chefin vom Dienst ist es, dieses Miteinander so zu koordinieren, dass wir den Lesern nicht nur regelmäßig Sonderausgaben präsentieren können, sondern täglich eine digital optimierte und fürs Digitale gedachte Version der Zeitung. Dafür müssen Doppelseiten füllende Infografiken irgendwie aufs fünf Zentimeter schmale Handydisplay passen, das Streiflicht will vertont werden - und wäre nicht ein Themenschwerpunkt zur Rente gut, sodass man auf einen Blick alle Texte dazu findet?

Meine Aufgabe ist also: Denken, das hilft immer. Und: Mit den Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Redaktionen sprechen und für die grenzenlosen digitalen Möglichkeiten werben. Am Ende wollen wir doch alle das Gleiche: Jede Geschichte bestmöglich erzählen. Trotzdem fühlen sich die Tage als Digitalredakteur oft an wie Bergauflaufen. Erst ganz langsam, dann Vollgas bis zur Spitze. Bis die Push-Nachricht um 19 Uhr den Puls beruhigt. Dann sind wir "draußen", wie wir es nennen, haben also die Zeitung von morgen veröffentlicht.