SZ-Werkstatt Der mit dem grünen Daumen

Titus Arnu, 52, schreibt schon sein halbes Leben lang für die SZ, meist über Natur- und Kultur-Themen.

(Foto: Enno Kapitza)

Titus Arnu ist praktisch draußen zuhause und schreibt daher oft über Naturthemen, aktuell zu Gartentrends. Beim Werkeln am Hochbeet sortiert er gerne "das Chaos im Kopf" vor dem Texten.

Von Titus Arnu

Ein Garten widersetzt sich eigentlich allen Moden. Es kann Jahre dauern, bis die erste Blüte an der Magnolie erscheint, bis der Apfelbaum Früchte trägt und die Hecke so dicht ist, dass man die Nachbarn nicht mehr sieht. Obwohl sich Gärten eher mittelfristig verändern, erfindet die Gartenbauindustrie jedes Frühjahr neue Trends - eine Übersicht dazu finden Sie im Stil-Teil dieser Ausgabe. Mal ist es der asiatisch angehauchte Wellnessgarten, mal der stylische Lounge-Garten mit Himmelbett aus Kunststoffgewebe oder der hippe Recycling-Garten mit bepflanzten Euro-Paletten. In dieser Saison gehen viele Gartenbesitzer dazu über, ihren Garten mit Kies und Gabionen fast pflanzenfrei zu gestalten; das ist ziemlich hässlich und grau, aber schön abwaschbar.

Mein eigener Garten ist ein Mix aus vielen Einflüssen. Den grünen Daumen habe ich von meiner Mutter geerbt. Ich habe mit Tomatenpflänzchen klein angefangen, mir irgendwann den Kindheitstraum vom Rasentraktor erfüllt und bin mittlerweile beim Fischteich angekommen. Es gibt Hochbeete, Staudenbeete mit Hortensien, Taglilien, Dahlien, Lavendel, Farnen und Katzenminze, ein kleines Gemüsebeet und eine Kräuterecke. Feldversuche mit Kartoffeln, Karotten und Kohl wurden nach einigen Missernten eingestellt. Zum Gärtnern gehört eben auch ein entspannter Umgang mit dem Scheitern. Das Beobachten des Naturkreislaufs hilft, das Leben insgesamt zu verstehen, es lehrt Demut (vor Naturgewalten wie Hagel und Schnecken), Bodenständigkeit - und vor allem Dankbarkeit.

Ich habe das große Glück, dass ich oft zu Hause arbeiten kann, mit Blick in den Garten. Ich schaue von meinem Schreibtisch auf einen riesigen Rosenbusch, tibetische Gebetsfahnen, einen Teich mit Seerosen und eine uralte Weißbuche. Wenn ich mal einen Knoten im Hirn habe, gehe ich einfach kurz mit meinen Hunden raus. Im Garten gibt es immer etwas Konkretes zu tun. Hier einen Löwenzahn rausziehen, dort den Giersch roden - und die Rose müsste auch mal wieder geschnitten werden! Nach ein paar Minuten löst sich das Chaos im Kopf auf, angesichts des viel größeren Wirrwarrs in der Natur.