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SZ-Werkstatt:Auf- und Absteiger

Seit fast 20 Jahren betreut Margarita Chiari eine Rubrik im Wirtschaftsressort der SZ, die Karrieren, Trends und auch die Schnelllebigkeit des Wirtschaftslebens in besonderer Weise widerspiegelt. Nicht alle Moden hat sie mitgemacht.

Mit den Jahresrückblicken ist es wie mit Lebkuchen. Sie kommen immer früher in die Läden. Marketingspezialisten erklären das damit, dass Leser Zeit bräuchten, durch die Chronik der Ereignisse zu blättern oder - neuerdings - zu klicken. Und dass die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, die vermeintlich "besinnliche" Zeit also, dafür nicht reiche. Vielleicht, weil sie gar nicht mehr besinnlich ist?

In der Wirtschaftsredaktion haben wir uns anders entschieden - und stattdessen die Form geändert. Es gibt jetzt den Rückblick auf die Auf- und Absteiger des Jahres, der diesmal in der Ausgabe vom 27. Dezember erschienen ist, den Ausblick auf die Menschen, die im kommenden Jahr vor besonderen Herausforderungen stehen, der in der Ausgabe vom 2. Januar zu finden sein wird, und zwischendurch kurze Rückblicke auf Menschen, die 2019 sehr gut verdient haben, spektakuläre Deals durchzogen, sich den Gerichten stellen mussten oder nun einen Börsengang vorbereiten. Wo früher also ein großer Artikel reichte, gibt es jetzt kurze Porträts, die man entspannt zwischen zwei Skiabfahrten oder beim Warten auf den Entenbraten lesen kann.

Es gibt ja auch immer mehr Menschen, an die im Rückblick erinnert werden kann. Die Zeiten, als Manager so lange auf ihren Posten blieben wie heute nur noch die Kanzlerin, sind vorbei. Mancher wird schon binnen eines Jahres vom Auf- zum Absteiger, wie etwa Audi-Chef Bram Schot, dem man nicht mal vorwerfen kann, etwas falsch gemacht zu haben. Auch die Aufregung über die Millionensaläre der Top-Manager relativiert sich, wenn man liest, dass Influencerinnen wie Kylie Jenner oder Sportler wie Lionel Messi ein Vielfaches davon kassieren. Und während früher meist Männer in grauen Anzügen das Geschehen bestimmten, sind es heute Turnschuhträger - und Frauen (was natürlich auch dasselbe sein kann). Den Rückblick 2019 hätten wir allein mit Frauen bestücken können, die wichtige Posten übernommen oder eben schon wieder verloren haben. Wir haben es nicht getan. Die Wirtschaftswelt besteht schließlich nicht nur aus Frauen - und das ist gut so.