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SZ Werkstatt:Arbeiten unter Druck

Katja Auer, Teamleiterin in der Bayern-Redaktion, über Zeitmanagement und die wichtige Rolle von Spezialisten.

katja auer

Katja Auer, 41, ist Teamleiterin der Bayern-Redaktion und seit 2006 bei der Süddeutschen Zeitung. An den Zeitdruck im Job hat sie sich erst als Landtags- und dann als Franken-Korrespondentin gewöhnt.

(Foto: Süddeutsche Zeitung)

Gibt es Zeitvorgaben für die Redakteure, je nach Thema, Schwierigkeit und Länge eines Beitrags? Wie viel Zeitreserve haben Redakteure dann?

Heinz Unruh, München

Ach, die Zeit, da werden sie viele Kollegen seufzen hören, weil es irgendwann einmal offenbar so viel mehr davon gegeben hat. Von unserer schnelllebigen Zeit reden wir oft und das wirkt sich natürlich auch auf den Journalismus aus. Auch deswegen, weil die SZ, die ursprünglich vor allem Tageszeitung war, nicht mehr nur mit anderen Zeitungen, Radio und Fernsehsendern um die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser konkurriert, sondern längst auch mit dem Internet. Auch wir informieren auf vielen Kanälen, online und digital, das erfordert eine andere Arbeitsweise, als sie der Redaktionsschluss für die gedruckte Zeitung vorgibt.

Sie wollen es schließlich nicht erst am nächsten Morgen erfahren, wenn etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder neue Maßnahmen gegen das Coronavirus verkündet oder irgendwo auf der Welt ein schlimmes Unglück passiert. Also muss eine Nachricht schnell auf die Homepage gelangen. Dabei gilt: Wir wollen natürlich schnell sein, vor allem aber gründlich. Und manche Dinge brauchen mehr Zeit. Für eine aufwendige Reportage ist ein Kollege schon mal mehrere Tage unterwegs, und natürlich wurden auch die Panama Papers nicht von heute auf morgen ausgewertet. Die Qualität, die wir unseren Lesern bieten wollen, entsteht auch deswegen, weil wir uns intensiv in Themen einarbeiten und einen Schauplatz auch ein zweites oder drittes Mal besuchen, wenn es notwendig ist.

Wenn es aber doch schnell gehen muss, dann profitieren wir von unseren vielen Spezialisten in der Redaktion, die sich in ihren Themengebieten so gut auskennen, dass sie auch unter Zeitdruck schnell eine kundige Analyse verfassen können. Es kann also durchaus sein, dass ein Redakteur am Mittag von einem Thema erfährt und in wenigen Stunden einen großen Bericht verfasst. Oder schnell einen Kommentar für die Homepage. Die meisten Texte zu aktuellen Themen, die Sie in der Zeitung lesen, sind binnen weniger Stunden entstanden. Der Redaktionsschluss für die gedruckte Ausgabe ist um 17 Uhr, bis dahin müssen die Seiten gefüllt sein, sonst schaffen es die Kollegen in der Druckerei nicht, die Zeitung rechtzeitig fertigzustellen. Schließlich müssen die Exemplare ausgeliefert und zugestellt werden.

Es gibt also tatsächlich einen teilweise recht großen Zeitdruck, an den wir aber gewöhnt sind. In meiner Funktion als Teamleiterin gehört es leider auch dazu, die Kollegen gelegentlich zur Eile anzutreiben, wenn der Redaktionsschluss naht. Aber wir haben es bisher noch immer rechtzeitig geschafft! kaa

© SZ vom 26.10.2020

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