SZ-Werkstatt Arbeiten in der Luft

Als Jens Flottau, 47, vor 27 Jahren als Student bei der SZ in Freising anfing, kümmerte er sich gleich um den neuen Flughafen. Heute gehört er der Wirtschaftsredaktion an und berichtet seit Jahren über die Luftverkehrsbranche.

(Foto: privat)

Als Luftfahrtkorrespondent ist Jens Flottau berufsbedingt viel mit dem Flugzeug unterwegs. Und er findet, dass es sich durchaus gut arbeiten lässt - außer auf seiner Stammstrecke von Frankfurt nach Toulouse, da gibt es Besseres zu tun.

Von Jens Flottau

Gerade hat Lufthansa eine Meldung herausgeschickt, die für ihre urlaubenden Kunden und diejenigen, die wegen ihrer Arbeit reisen müssen, nach blankem Horror klingt. In acht Bundesländern beginnen die Sommerferien, am größten Drehkreuz der Fluggesellschaft werden deswegen täglich bis zu 240 000 Passagiere erwartet.

Wer den Flughafen auch nur ein bisschen kennt, der kann sich ungefähr ausmalen, was das bedeutet. Schon in normalen Zeiten, in denen nicht 240 000 Menschen durch die in Jahrzehnten zusammengeschusterten Gebäude geschleust werden, kann man nicht sicher sein, ob man trotz üppiger Zeitplanung seinen Flug erreicht - nach einem für nicht Eingeweihte unverständlichen System sind die Schlangen manchmal kurz und manchmal erschreckend lang. Von Glück sagen kann man dann, wenn der Flug wegen der Flugsicherung verspätet ist, und von Pech, wenn er gleich ganz ausfällt. Als Luftfahrtkorrespondent ist man berufsbedingt regelmäßig mit dem Flugzeug unterwegs. Und eigentlich gibt es, mal abgesehen von den oben erwähnten Problemen, zwischendurch nichts Besseres: vom Fensterplatz das Geschehen auf dem Vorfeld betrachten (und in Gedanken unternehmensberaterhaft die Prozesse optimieren), zum Start beobachten, wie die Landeklappen erst aus- und in der Luft wieder eingefahren werden. Und dann den Computer anschalten und in aller Ruhe einen Artikel schreiben. Auf meiner Stammstrecke Frankfurt - Toulouse (dort befindet sich der Unternehmenssitz von Airbus) arbeite ich, wenn es irgendwie geht, weniger. Es empfiehlt sich vielmehr, auf dem Hinflug links am Fenster zu sitzen und auf dem Rückflug rechts - denn man fliegt vom Bodensee westwärts die Alpen ab und kommt nahe am Mont Blanc vorbei.

Grandios. Leider gibt es über das Jahr aber zu viele Flüge, die sich anfühlen, als wären die 240 000 vom Ferienbeginn in Frankfurt das Standardprogramm. Auch deshalb ist im Sommer in der Regel eine wochenlange Flugpause bewusst eingeplant - sonst vergeht einem der Spaß ganz schnell.