Süddeutsche Zeitung

SZ-Werkstatt:Anspruchsvoll, klar

Wie denkt sich der Macher des SZ-Weihnachtsrätsels eigentlich seine Fragen aus? Und warum müssen sie so schwer sein? Fragen, mit denen Oliver Rezec immer wieder konfrontiert wird. Hier lüftet er ein paar Geheimnisse - aber nicht alle.

Jedes Wochenende stelle ich vertrackte Fragen auf der Rätselseite - und heute erst recht, im großen Weihnachtsrätsel. Da ist es nur fair, dass jene beiden Fragen, die mir selbst am häufigsten gestellt werden, mich ebenfalls in Verlegenheit bringen: Wie denken Sie sich all das aus? Und wie lange brauchen Sie für so ein Rätsel? Das kann ich nie so recht beantworten, es entsteht unentwegt vor sich hin: Alles, was mir zwischen Aufwachen und Einschlafen begegnet, durchläuft in meinem Oberstübchen sofort eine automatische Rätseltauglichkeitsprüfung. Wenn zum Beispiel Olivia Jones auf Krücken zur Bundespräsidentenwahl erscheint, weil sie ihre Oberschenkel um sechs Zentimeter hat kürzersägen lassen, dann kann ich die Assoziation gar nicht verhindern, dass auch der Aralsee früher größer war. Und Personalausweise ja auch. Schon keimt ein Quartett-Rätsel.

Was nicht unmittelbar verarbeitet wird, kommt ins Archiv, das ich regelmäßig durchwühle, wenn das Oster- oder Weihnachtsrätsel ansteht. Dann folgen mehrere Wochen des Tüftelns, Verschlüsselns, Recherchierens, Verifizierens und pingeligen Peinigens unserer Grafiker.

Und warum müssen die Rätsel immer so schwer sein, lautet die dritthäufigste Frage. Weil das Prinzip "Seien Sie anspruchsvoll" in der SZ natürlich auch für die Rätsel gelten soll. Also bemühe ich mich, möglichst abseitige Wissensgebiete und vielfältige Denkdisziplinen zu strapazieren. Das kommt unterschiedlich an: Ein Leser schrieb, um solche Rätsel zu lösen, müsse man wohl Interessen haben, die so beschaffen seien wie das Kleinkind laut Sigmund Freud, nämlich polymorph pervers. Eine andere Leserin berichtete indes, am Heiligen Abend sei das Essen kalt geworden, weil sie und ihre Familie so ins Weihnachtsrätsel vertieft waren. Ich löge, wenn ich bestritte, dass mich beide Reaktionen gefreut haben.

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Quelle:
SZ vom 24.12.2018
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