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Sri Lanka:Aussagen zu pauschal

Einem Leser war die Berichterstattung und Kommentierung zu den Anschlägen an Ostern zu wenig differenziert. Ein Schreiber geht auf die Gegenattacken auf Muslime nach den Anschlägen ein.

Trauernde Christen vor der Sankt-Sebastian-Kirche in Negombo nach den Oster-Anschlägen an mehreren Orten in Sri Lanka.

(Foto: AFP)

Zu " Gefährliche Botschaft" vom 14. Mai und " Die Hemmschwelle fällt" vom 24. April:

Wie Sie berichten, gab es nach den terroristischen Anschlägen vom Ostersonntag in Sri Lanka Ausschreitungen gegen Muslime. Dabei sollte die Rolle des Staates und der Straflosigkeit nicht außer Acht bleiben. Im Gegensatz zu Ihrer Wortwahl handelte es sich nicht um "Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen". Vielmehr handelte es sich verfügbaren Berichten zufolge um rassistisch motivierte Gewalt.

In den vergangenen Jahren hat es immer wieder solche Gewaltakte von Mobs gegeben, unter anderem 2014 in Aluthgama, 2017 in Gintota, und 2018 in Ampara und Digana. Häufig handelt es sich hier um Gewalttaten, die von radikalen buddhistisch-singalesischen Organisationen organisiert und angestachelt werden. Mit Bussen bringen diese Tätergruppen in einen Ort, wo diese systematisch muslimische Geschäfte, Häuser und Moscheen beschädigen. Sri-lankische Sicherheitskräfte greifen erst verspätet ein. Verhaftete Täter werden nach Protesten wieder freigelassen.

Kürzlich verhaftete die Polizei etwa Amith Weerasinghe von der Organisation Mahason Balakaya. Weerasinghe war bereits als Anfacher der Ausschreitungen im März 2018 verhaftet worden, wurde jedoch während der Verfassungskrise letzten Herbst wieder freigelassen. Von religiösen "Zusammenstößen" zweier Gemeinschaften zu sprechen, verdeckt hier die Einseitigkeit und Organisation der Gewaltanwendung. Diese ist nicht spontan, sie entspringt einem Klima der Straflosigkeit, der strukturellen Diskriminierung und Vernachlässigung von Sicherheitsaufgaben durch die Behörden.

Gerrit Kurtz, Berlin

Der Teilsatz "Täter, die große Reden über Kultur, Identität und Glaube schwingen" in dem Kommentar "Die Hemmschwelle fällt" zu dem Attentat in Sri Lanka ist sehr kursorisch, ja seltsam ungenau formuliert. Bitte Ross und Reiter nennen! Aber bleiben wir mal "großzügig". Wurde da nicht genau dies woanders auch vollführt - und einige Kilometer davon entfernt geschah - und geschieht - Schrecklichstes.

Klar, man soll Schlimm(st)es nicht so ohne Weiteres mit Ähnlichem vergleichen oder gar bewerten. Aber zu einseitig und - wie oben - doch sehr fragwürdig zweideutig-eindeutig darf sicherlich nicht verfahren werden.

Helmut Rasp, Landshut