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Sprachlabor:Zurechtbiegen

Haben Sie berechtigterweise etwas getan oder passenderweise? Davon hängt die Schreibweise des Wörtchens ,,zurecht" ab. Und: Fällen und gefällt werden, wann was gilt.

Von Hermann Unterstöger

"RÜCKEN SIE das mit dem zu Recht zurecht", fordert Leser M., und Leserin B. fragt, ob einige unserer Autoren das mit zu Recht und zurecht nicht "in ihren Hirnen zurechtrücken" könnten. Rücken wir es fürs Erste hier zurecht, und lassen wir uns nicht irritieren, wenn in älteren Texten dann und wann zurecht geschrieben wird, obwohl zu Recht gemeint ist: "Lern erst, was Freiheit will zurecht bedeuten" (Grillparzer, Epigramme 1840). In neueren Ausgaben lesen wir zu Recht, und das zu Recht. Merkhilfe: Man schreibt zu Recht, wenn man stattdessen auch berechtigterweise schreiben könnte: "Die Gurkentruppe von Trainer X. verlor völlig zu Recht." In den meisten Fällen aber fungiert zurecht als Präfix zu Verben wie zurechtbasteln oder zurechtschneiden, und es trennt sich von seinem Basisverb nur in dessen finiten Formen: "Kannst du mir die Krawatte zurechtzupfen? - Zupf sie dir doch selber zurecht!"

DIE VERWENDUNG von zunächst ist unseren Lesern B. und P. ein Dorn im Auge, das freilich nur, wenn das Adverb für etwas steht, das als Erstes geschieht, und wenn dann aber kein Zweites folgt. Vornehmlich ist dieser Mangel bei Unfallmeldungen oder Kriminalberichten anzutreffen: "Die Polizei ging zunächst von einer Trunkenheitsfahrt aus" oder "Der Täter war zunächst flüchtig". Da will man doch wissen, ob es nicht später auf Nüchternheit hinauslief respektive ob der Täter nicht doch noch gefasst werden konnte. Musterhaft wurde das gehandhabt, als Sachsens Ministerpräsident ungebetenen Besuch bekam. Die Reporterin: "Michael Kretschmer trat seinen Belagerern entgegen, zunächst mit Geduld, dann mit entschiedenem Widerspruch."

"FÄLLEN" ist laut Duden das "Veranlassungswort" zu fallen. Das heißt: Wenn ich einen Baum fälle, veranlasse ich dessen Fallen. Bei Urteilen ist das, wie Leser B. weiß, anders: Sie werden gefällt, fallen aber nicht. In der Sprachpraxis fallen sie nach wie vor, was zumindest aus der Sicht eines Holzarbeiters schwer in Ordnung ist.

© SZ vom 23.01.2021
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