SprachlaborVerkäufer mit Innenhof

Lesezeit: 1 Min.

(Foto: Luis Murschetz (Illustration))

Der vierstöckige Hausbesitzer ist die Lachnummer unter den Stilsünden, dicht gefolgt vom siebenköpfigen Familienvater. Bei Lichte besehen handelt es sich um monströse Gestalten, doch wenigstens sind sie in ihrem Unglück jetzt nicht mehr allein.

Von Hermann Unterstöger

DIE FORMULIERUNG "Transparenz darüber" sei falsch, schreibt Leser Dr. S. und fügt hinzu, dass er von der SZ fehlerfreies Deutsch erwarte. Sein Brief hätte auch an andere Blätter gehen können, in denen Transparenz über dies und das ebenfalls immer wieder vorkommt, meist freilich in Zitaten aus Politikermund. Da Herr S. aber uns rügt, sei vor der eigenen Türe gekehrt. Es darf unterstellt werden, dass sich Transparenz darüber an die Fügung Klarheit darüber anlehnt, doch was der einen recht ist, muss der anderen noch lang nicht billig sein. Zwar sind Transparenz und Klarheit insofern identisch, als sie für Durchsichtigkeit oder Durchschaubarkeit einer Sache stehen. Klarheit bedeutet aber auch vollständige Aufklärung. In diesem Fall kann sie ein Präpositionalobjekt nach sich ziehen: Klarheit über den Verlauf der Grenze respektive Klarheit darüber, wo die Grenze verläuft. Diese Vielseitigkeit ist der Transparenz nicht gegeben, die dafür etwas Absolutes an sich hat: Durchsichtigkeit als solche - und da würde ein Objekt nur stören.

DER VIERSTÖCKIGE HAUSBESITZER ist die Lachnummer unter den Stilsünden, dicht gefolgt vom siebenköpfigen Familienvater. Bei Lichte besehen handelt es sich um Monster, doch wenigstens sind sie in ihrem Unglück jetzt nicht mehr allein. Bei uns tauchte der "Innenhof von einem Teppichverkäufer" auf, der in Leser L. die Vorstellung von einem überaus geräumigen Mann weckte. Vielleicht sollte er mit dem vierstöckigen Hausbesitzer eine Wohnanlage gründen, die siebenköpfigen Väter würden es ihnen danken.

ZU ANGLIZISMEN hat das Labor ein legeres Verhältnis. Dennoch traf es dessen Verfasser ins Herz, als Leserin Sch. ihm vorwarf, mit "wie auch immer" einer zeittypischen, vom englischen however herzuleitenden Ausdrucksschlamperei aufgesessen zu sein. Frau Sch. hält die Verwandtschaft übrigens auch nur für "sehr wahrscheinlich". Sei ihm, wie ihm wolle (Goethe et al.), man wird in Zukunft aufpassen.

© SZ vom 09.04.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: