Sprachlabor:Unwetter und Unkosten

Sprachlabor: undefined

Ein fast philosophischer Rückblick auf generöse Kollegen, das Gewürge mit mehrteiligen Prädikaten am Satzende und das Gendern im Lichte vorschneller Streitlust.

Von Hermann Unterstöger

ES GEBE UNWETTER, schreibt Leser M., doch keine Unkosten: nur Kosten. Ob er sich da mal nicht täuscht! Bei Grimm wird Unkosten als vorwiegend an Geld und Geldeswert Aufgewendetes erklärt, wobei viele Belege darauf hindeuten, dass mit dem Wort eher überflüssige als sachlich gerechtfertigte Kosten gemeint sind. Bekannt ist das in der Praxis etwa aus Reisekostenabrechnungen, in denen die Kosten für Salzletten und diverse Likörchen aus der Minibar des Hotels als Unkosten gelten. In diesem Sinn sagt man auch zu einem, der seine Beförderung im Kollegenkreis mit einer Schachtel steinalter Kekse feiert: "Mann, da hast du dich aber in Unkosten gestürzt!"

MAN KENNT DAS GEWÜRGE, wenn ein Nebensatz mit einem mehrteiligen Prädikat endet. Leser Sch. verfing sich in dem Satz über einen Abgeordneten, dem man vorwirft, "sich einen Sextrip ... finanziert haben zu lassen". Seiner Ansicht nach ist erstens "finanziert" falsch, da man sich so etwas schließlich nicht finanziert lasse, sondern finanzieren. Was die Stellung der Prädikatsteile angeht, so plädiert er für die Reihung "sich haben finanzieren zu lassen", die aber bei ihm selbst ein "komisches Gefühl" auslöst. Folgt man dem etwas verzwickten Regelwerk der Grammatik, müsste der Abgeordnete mit dem Vorwurf leben, sich den Sextrip "finanzieren gelassen zu haben".

DASS DAS GENDERN Streitfälle hervorbringt, weiß man. Leserin O. ärgert sich über den Titel "Rettet die Bäuer*innen". Sie fragt, ob der Plural von Bauer nun Bäuer laute und wieso die SZ "diesen Schwachsinn" mitmache. Nun, die SZ tut das nicht: Die "Bäuer*innen" stammen aus dem Wahlprogramm der Grünen und wurden bei uns nur zitiert. Der Journalistinnenbund hat gegen diese Schreibung nichts einzuwenden. Er bedient sich dabei listigerweise des alten Arguments, dass die Bauern sich ja mitgemeint fühlen dürften. Alternative: "Bauern, Bäuerinnen und andere Personen, die in diesem Bereich in der Landwirtschaft tätig sind."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB