SprachlaborPflanze frisst Reh!

Lesezeit: 1 Min.

Luis Murschetz (Illustration)

Dem Wort „unbeschadet“ geht’s auch nicht gut.

Von Hermann Unterstöger

SPASS MUSS SEIN, scheint sich unser Leser M. gedacht haben und reichte diesen Fall zur gfl. Prüfung ein. In einem Artikel war es darum gegangen, wie sich die Trockenheit auf Rehe auswirkt. Erstens, hieß es da, gäben die Muttertiere weniger Milch, und zweitens verändere sich die Zusammensetzung der Milch, „weil es auch den Pflanzen schlecht geht, die die Mütter fressen“. Um Herrn M.s Meinung dazu krass übertreibend zusammenzufassen, so sind die Pflanzen selber schuld, wenn es ihnen schlecht geht: Was müssen sie auch die Mütter fressen! Ja, ja, der Wald und seine Pflanzen hüten manch grausiges Geheimnis.

IHR ABO KRITISCH hinterfragen: Dazu könnte unsere Leserin S. sich entschließen, wenn die Präposition unbeschadet weiterhin anstelle des Adjektivs unbeschädigt verwendet wird. Die Leserin an uns zu binden ist das eine. Das andere ist die zu befürchtende Unmöglichkeit, unbeschadet auf Dauer im Rang einer Präposition (Muster: unbeschadet der Rückschläge machte er weiter) zu erhalten. Zu locker wird das Wort mittlerweile als Synonym für schadlos etc. verwendet, und wer dies tut, kann sich noch dazu auf Wörterbücher berufen, in denen unbeschadet – unbeschadet seiner erlauchten präpositionalen Geschichte – als Adjektiv geführt wird, und das mit durchaus respektablen Belegstellen.

DASS DÜRERS „BETENDE HÄNDE“ als „Kunstwerke eigenen Rechts“ bezeichnet wurden, rief, wie nicht anders zu erwarten, unseren Leser B. auf den Plan. Ein Teil seiner kritischen Zeitungslektüre gilt der Unsitte, englische Wendungen wörtlich zu übersetzen, statt ein sinnvolles deutsches Pendant dafür zu suchen. Ein Kunstwerk unterliegt für ihn keinem wie immer gearteten „eigenen Recht“, wohl aber hätte ein Rückgriff auf „in its own right“ zu der passenden Formulierung „eigenständiges Kunstwerk“ führen und, Pardon!, Sinn machen können. Bedankt sei Herr B. auch dafür, dass er dieser Kolumne einen Strafpunkt gegeben hat. Dort hatte es geheißen, das Wort „Zeitläufte“ meine dies und das, ein Reinfall auf die „falschen Freunde“ meinen und to mean und insofern ein absolutes No-Go.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: