EIN RITTERSCHLAG ist es nicht, wenn man auf einen Fehler mehr Zuschriften bekommt als andere auf einen fulminanten Leitartikel. Allenfalls ist es ein Beleg für die Genauigkeit der Leser, in unserem Fall auch dafür, wie weh ihnen oft gerade Winzigkeiten tun. Der Fall: Der neue Kölner Polizeipräsident war als "einer der bestbezahltesten" Beamten vorgestellt worden. Wie oft bei solchen Schnitzern, so entlud sich der Grimm der Leser auch hier in grotesken Parallelen, bis hin zu "schlimmstens anzuhörendsten Superlativen". Wir verhüllen unser Haupt, weil die Sache ja gar nicht so schwierig wäre. Es geht um die Vergleichs- oder Steigerungsformen beim zusammengesetzten Adjektiv/Partizip. Drei Regeln sind dabei zu beachten. Erstens: Wenn beide Wortglieder ihren eigenen Sinn bewahrt haben, wird vorne gesteigert: vielbietend zu meistbietend. Zweitens: Hat das Koppelwort einen neuen Sinn, wird hinten gesteigert: wohlfeil zu wohlfeilst. Drittens und auf unseren Kasus zutreffend: Vorne und hinten steigern ist Unfug.
TISCHTÜCHER werden, worauf die Leser L. und Dr. S. hinweisen, im Streitfall zerschnitten, nicht zerrissen. Wenn bei uns eines zerrissen wurde, dann weil es sich um ein Zitat handelte. Im Leben halten wir uns, wie unsere Sammlung zerrissener Tischtücher belegt, ans Brauchtum.
"ETWAS MEHR MITARBEIT BITTE!" Das hörte man oft in der Schule. Unseren Lesern muss man das nicht sagen. Frau H. und Herrn Sch. zum Beispiel besuchten nach Lektüre des dem Präfix be- gewidmeten Forums den Truppenübungsplatz Baumholder und informierten sich darüber, von welchen Truppen er schon "beübt" worden ist. Danke! Beüben kommt aus der Wehrbürokratie, doch hört man auch von Physiotherapeuten, die ganze Muskelgruppen beüben. Wenn im Grubenbau einem Schacht Frischluft zugeführt wird, nennt man das bewettern. Stiller, aber heißer Ehrgeiz dieser Kolumne ist es, das Zeitungsdeutsch zu bewettern.
