SprachlaborIn der Aaaue

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(Foto: Luis Murschetz (Illustration))

Sowie: Nachtrag zu Nestroy, der als Valentin auftrat.

Von Herman Unterstöger

IN GOETHES GEDICHT „Geheimes“ wird treffend geschildert, was des „Liebchens Äugeln“ zu bedeuten hat. Es heißt: „Ich liebe diesen, / und nicht etwa den und jenen“. Lässt man den mittleren, mit „den“ bezeichneten Kandidaten mal beiseite, wird klar, dass nicht „jener“ vom Liebchen begünstigt wird, sondern „dieser“, also Goethe selbst. Es ist dies ein schönes Beispiel für die alte Regel, wonach mit dieser etwas Nahes, mit jener hingegen etwas Entferntes bezeichnet wird. Leserin W. hat das wohl im Auge, wenn sie in einem Bericht über Mängel auf Günther Felßners Hof die Formulierung „jene Mängel“ kritisiert, obwohl diese doch im Satz davor erwähnt waren. Ihr kluger Kompromissvorschlag: Es hätte gereicht, „die Mängel“ zu schreiben.

AUF DER KINDERSEITE wurde nach einem Wort gefragt, das ohne Konsonanten auskommt, und als Beispiel das „Ei“ präsentiert. Da kann Leser Dr. R. nur wissend lächeln, weil er einmal in Münster war und dort einen Spaziergang durch die nach dem Fluss Aa benannte Aaaue machte. Mit ganzen Sätzen ohne Vokale kann hingegen das Tschechische aufwarten, etwa so: „Chrt pln skvrn zhltl hrst zrn.“ Auf Deutsch: „Der Windhund voll von Flecken hat eine Handvoll Getreide verzehrt.“ Gscheids Hunderl: vegan!

VORIGE WOCHE wurde auf dieser Seite das „Streiflicht“ korrigiert, weil es den Satz „Wenn alle Stricke reißen, hänge ich mich daran auf“ Karl Valentin zugeordnet hatte. Er stammt von Nestroy, und da fast nirgendwo die Fundstelle genannt wird, sei es gestattet, kurz nachzukarten. In der Posse „Zampa der Tagdieb oder Die Braut von Gyps“ sagt Zampa, dass der Mensch nie wisse, „wie hoch er’s noch bringt“, und dass es mit dem Aufhängen „so eine Sach“ sei. Und gleich danach: „Wenn alle Strick reißen, so gib ich mir ein gutes Wort und häng’ mich selbst auf.“ Sehr ähnlich Johann Kipfl in der Zauberposse „Genius, Schuster und Marqueur oder Die Pyramieden der Verzauberung“. Er sagt: „Ich sag gar nicht viel, ich spinn mir noch ein Strick und dann häng’ (ich) mich auf.“ Das alles und noch mehr ist unter nestroy-archiv.at/leben-und-werk/nestroy-zitat-suche komfortabel zu finden.

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