Sprachlabor:Sarastro und die Seebäder

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Auch Mozarts "Zauberflöte" ist nicht immer musterhaft formuliert - doch offenbar sieht man es dem Meister eher nach als der Zeitung. Zuweilen auch zu Recht.

Von Hermann Unterstöger

"SUBJEKT IST WEG." Mit diesem Alarmruf reagierte Leser R. auf den Satz: "Wem am sozialen Frieden liegt, muss an die Reichen ran." In einer anderen Textfassung hatte es geheißen: "Wem am sozialen Frieden liegt, der muss an die Superreichen ran", doch ändert das nichts daran, dass Variante eins zu der Frage verleitete, wer denn nun an die Reichen ranmüsse. Anders gefragt: Ist "wem am sozialen Frieden liegt" ein Subjekt? Es gibt Beispiele dafür, dass Nebensätze die Rolle eines Satzglieds einnehmen. Bei "Wer nicht hören will, muss fühlen" verkörpert ein Relativsatz das Subjekt, bei "Ich weiß nicht, ob er noch kommt" ist ein indirekter Fragesatz das Objekt. R.s Irritation liegt darin begründet, dass ihm der für ein Subjekt unerlässliche Nominativ fehlte. Dieser ist zwar durchaus vorhanden, nämlich in "wem" versteckt, das sich in "der, dem" zerlegen lässt. Dennoch wäre es schöner und wohl auch korrekter gewesen, wenn das verborgene "der" im Hauptsatz ans Licht getreten wäre: "der muss ..." Es gibt in der "Zauberflöte" den von Sarastro feierlich gesungenen Satz: "Wen solche Lehren nicht erfreu'n, / verdienet nicht, ein Mensch zu sein", doch ist er insofern nicht musterhaft, als die Auslassung von "der" vor "verdienet" ersichtlich dem Metrum zuzuschreiben ist.

DIE LUST, KRAUSE BEZÜGE herzustellen, ist ungebrochen. In einem Text über Ostende hatte es geheißen: "Einst war es die Perle der Seebäder, nach der Zerstörung des Weltkrieges schlugen die Bagger zu." Bei den Lesern Sch. und T. löste das Verwunderung aus, hatten sie doch bisher nicht gewusst, dass der Weltkrieg in Ostende zerstört worden sei, und das noch dazu von Baggern.

"RUHT IM FRIEDEN!" möchte man auch den sterblichen Überresten zurufen. Diesmal ist es Leser Z., der die Formulierung für paradox hält. Dabei sagt die Floskel doch nicht mehr, als dass unser aller Leib dem Verfall preisgegeben ist. Mehr dazu, wenn's beliebt, im Totenmonat November.

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