"SPRACHFOLTER PUR!" Mit diesem Aufschrei macht unser Leser B. auf eine Marotte aufmerksam, die mittlerweile auch im Journalismus mehr Freunde gefunden hat, als der gepflegten Sprache guttut: das nachklappende Adjektiv. Das Interessante an B.s Brief ist der Umstand, dass er sich nicht gegen die Marotte als solche wendet, sondern gegen die Art, wie sie geschrieben wird. Um das Beispiel Abenteuer pur zu nehmen, so gehört nach Herrn B.s Ansicht unbedingt ein Satzzeichen zwischen die zwei Wörter: Abenteuer - pur, Abenteuer. Pur, Abenteuer: pur und so weiter. Eine starke Meinung, die in der Fachliteratur allerdings keine Bestätigung findet.
Die Sprachwissenschaft spricht vom "postnominalen Adjektiv", das im Gegensatz zum üblichen "pränominalen Adjektiv" hinter dem Nomen steht. Es kann auf eine zwar schmale, aber alte und schöne Tradition zurückblicken, weil es von den Dichtern nur allzu gern verwendet wurde: Röslein rot, Brüderlein fein, ein Maidlein jung, mein' Augen blau, Hänschen klein, von der Stirne heiß. Wer will, kann den hier obwaltenden gehobenen Ton auch aus Fügungen heraushören, wie sie die Werbesprache hervorgebracht hat: Henkell trocken, Cola light, Möhrchen extra fei n, Schauma mild.
Der Journalismus ist, wie angedeutet, darauf mächtig abgefahren, insbesondere auf die nachgestellten Wörter pur, satt und light, und er wird dafür zu Recht gezaust. Kritiker dieser Willfährigkeit haben als Gewährsmann zwar Martin Opitz selig, der in seiner Schrift "Von der deutschen Poeterey" sagt, dass "die Epitheta bey uns ein gar übel Aussehen haben, wenn sie hinter ihr substantivum gesetzet werden, als: das Mündlein roth . . ." Sie sollten aber bedenken, dass Begriffe wie Forelle blau oder Eiche gekalkt auch ihnen locker von der Zunge gehen.
Jetzt hätten wir B.s Anliegen fast aus den Augen verloren. Es sieht so aus, als seien sich das post- und das pränominale Adjektiv darin einig, dass zwischen sie und ihr Nomen kein Satzzeichen passt.