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Sprachlabor:München ohne "e"

Münchner wissen, dass sie aus München kommen. Wann und warum aber sollte man "Münchener" schreiben? Ist das vielleicht wurscht? Das fragt sich ein Leser. Eine Leserin hingegen weist auf den Bedeutungsunterschied von "beizeiten" und "zuzeiten" hin.

IN SCHWABING gibt es die "Münchner Freiheit", einen Platz mit viel Verkehr. Bis 1998 hieß er Münchener Freiheit, und als man, um sich dem Sprachgebrauch anzuschmiegen, ein "e" aus Münchener entfernte, fragten viele sich, ob München keine anderen Sorgen habe. Wie es um Leser Sch.s Sorgenportfolio bestellt ist, bleibt seine Sache, aber dass er der SZ vorhält, sie gebrauche die Bezeichnung Münchner, berichte also aus einer Stadt namens Münchn, weist ihn als erfreulich sorgenfreien Menschen aus. Für sein Problem selbst gibt es keine Lösung. Münchener ist ebenso richtig wie Münchner, das ist, wie man in Münchn zu sagen pflegt, wurscht. Was nicht geht, ist die Kappung der Endung -en, wie das bei Burghausen üblich ist: Burghausen, aber Burghauser. Hätte Burghausen einen entsprechenden Platz, hieße er Burghauser Freiheit.

MIT SYNONYMEN hat sich schon mancher ins Knie geschossen. Ein Kollege vom Streiflicht wollte Wörter wie bisweilen und manchmal vermeiden und befragte sein in diesem Augenblick wohl etwas mattes Sprachgefühl. Von dort kam ein Wispern: "Wie wär's mit zuzeiten?", und da der Mann selber auch nicht ganz wach war, verstand er beizeiten und schrieb's hin. Beizeiten bedeutet aber so viel wie rechtzeitig oder bald, und das hätte, wie Leserin R. findet, dem Kollegen eigentlich beizeiten einfallen können.

EBENFALLS IM STREIFLICHT: der Nebensatz "... weil die meisten Journalisten sind schwer von Kapee." Leser St. grämte sich nicht über Kapee, sondern über die Satzkonstruktion, die entweder mit denn hätte beginnen oder mit sind hätte enden müssen. Sieht man auf den Zusammenhang, lässt sich indes vermuten, dass der Autor den Satzbau bewusst der Umgangssprache angeglichen hat, weil er wollte zei... - sorry: weil er zeigen wollte, dass man den Journalisten nicht nur Mangel an Kapee zutraut, sondern auch Lücken in der Grammatik. Diese Kritik hat er, wenn man so will, bei den Hörnern gepackt.