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Sprachlabor:Konjunktionen, Flure

Wann benutzt man in einem Satz "aber", wann lieber "sondern"? Was hat es mit dem Freitagsschlecken auf sich? Und was genau versteht man unter den Fluren? Fest steht: Der Flurschaden durch Wildbiss hat keineswegs damit zu tun.

DER UNTERSCHIED zwischen aber und sondern ist den wenigsten bewusst, was insofern kein Schaden ist, als sie in der Sprachpraxis kaum je Fehler machen. Es gilt die Faustregel, dass beide Konjunktionen entgegensetzenden oder einschränkenden Charakter haben, dass vor sondern aber eine Negation steht: Nicht Karl ist die Kanaille, sondern Franz. Damit ist indes noch nicht alles gesagt, denn nach einer Negation kann es natürlich auch mit aber weitergehen: Bier ist nicht übel, aber Wein schmeckt mir besser. Für die Verwendung von sondern sind, wie man da und dort liest, einander ausschließende Konzepte die Bedingung: Das ist nicht Musik, sondern Krach. Vor diesem Hintergrund stellt Leser E. unsere Überschrift "Nicht fahrlässig, aber stur" auf den Prüfstand. Das war ein Zitat, weswegen seine Frage, was damit gemeint war, nicht zu klären ist. Herr E. gibt zudem zu bedenken, dass durch die prominente Übernahme des Zitats die Justiz - es ging im Artikel um eine Schadenssache - einseitig gelenkt werden könnte. Da freilich überschätzt er die Macht der Presse in dem Maß, wie er die Standfestigkeit der Zivilrichter unterschätzt.

IN DÄNEMARK gibt es den Brauch des Freitagsschleckens (fredagsslik), bei dem unserem Bericht zufolge die Kinder "mit vollen Händen ins Bonbonregal greifen" dürfen. Leser E. fühlte sich dadurch an seine Kindheit erinnert, in der, wer klug war, allerdings mit leeren Händen in die Süßigkeitendose griff.

FLURSCHÄDEN wie etwa die durch Wildverbiss verursachten fallen bei uns kaum an. Dennoch hält der Kollege, der Traktoren "Flure" befahren ließ, diesen Plural in schöner Selbstkritik für einen Flurschaden. Es war Leserin G., die ihm verriet, dass Traktoren nicht über Flure, sondern über Fluren walzen. Freunde des Kalauers könnten sich bewogen fühlen, eine Stelle aus Rilkes Herbstgedicht neu zu fassen: "Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, / und auf dem Flure lass die Winde los."