DASS EINSICHT UND SPRACHE unterschiedlich schnell voranschreiten, sieht man an Begriffen, die Menschen mit Behinderungen bezeichnen. Um es an den Gehörlosen zu exemplifizieren, so wird es heute niemandem mehr einfallen, von "diesen Unglücklichen" zu sprechen oder zu unterstellen, dass einige von ihnen "infolge des Blödsinns" stumm seien (aus dem Brockhaus von 1886). Wohl aber verwenden die meisten von uns weiterhin und ohne Arg den Terminus taubstumm, der von Gehörlosen als abwertend empfunden wird und dem Wesen dieser Behinderung auch nicht gerecht wird. Zum einen führt Taubheit nicht zwingend zu akustischer Stummheit, zum anderen können sich Nutzer der Gebärdensprache höchst eloquent mitteilen. An diese Tatsachen erinnern uns die Leserinnen G. und N., wobei Frau G. zusätzlich darauf hinweist, dass die Gebärdensprache eine "natürlich gewachsene und vollwertig anerkannte Sprache" sei. Weder sei sie eine "Zeichensprache", noch bestehe sie ausschließlich aus Gesten. Neben den Gebärdenzeichen gehörten Mundgestik und Mimik zum Kern ihrer Grammatik. Für ein sprachliches Update empfiehlt Frau G. einen Besuch bei leidmedien.de/category/journalistische-tipps/, einer Homepage, die das Thema ausweitet und auffächert - ohne beleidigten Eifer, aber mit spürbar heißem Herzen.
NEIN, DIESER HOMO SAPIENS! Kürzlich hieß es bei uns, "ein paar Homo sapiens" hätten Sex mit Denisova-Menschen gehabt, und nun mussten wir erfahren, dass sich vor 70 000 Jahren "ein paar Homo sapiens" von Ostafrika aus auf den Weg gemacht hätten, vielleicht (und aus durchsichtigen Gründen) zu den Denisova-Leuten. Für Leser T. offenbart sich darin das Elend der Bildungsreform: Zu seiner Zeit habe man noch gewusst, dass der Plural des Homo sapiens homines sapientes lautet. Das ist richtig, hilft aber in diesem Fall nicht weiter, da es für Gattungsbegriffe wie Homo sapiens, Homo ludens oder Homo faber keinen Plural gibt.
