SEINE RUHIGE HAND hat Leser Z. noch nie so geschätzt wie kürzlich, als er beim Rasieren im Radio hörte, die Flüchtlinge, die im Raum Ingolstadt "aufhältig sind", sollten Kurse erhalten. Das Wort ist bei uns in den letzten zehn Jahren nur einmal verwendet worden, und da als Zitat aus der Amtssprache. Laut Archiv führt es bei österreichischen Behörden als Synonym für sich aufhaltend, vorübergehend wohnhaft ein ähnlich bescheidenes Leben wie aufhältlich bei schweizerischen. Im Interesse einer möglichst unfallfreien Z.'schen Morgenrasur ist zu hoffen, dass sie im Radio nicht plötzlich aus "Lotte in Weimar" die Stelle vorlesen, wo Goethes Sohn August der alten Freundin des Vaters sagt, dass er bei der Hoftheater-Intendanz "beiträtig" werden solle.
"FALSCHE FREUNDE" sind keine Katastrophe, aber doch oft recht peinlich. Es gibt Hunderte von ihnen, erinnert sei nur an Paarungen wie undertaker/Unternehmer (richtig Bestatter), régisseur/Regisseur (richtig Verwalter) oder, fast schon ein Kalauer, caldo/kalt (richtig: warm). Leserin M. ist, als Übersetzerin, empfänglich für solche Dinge und weist zu Recht darauf hin, dass Hindernisse möglicherweise zu überwinden sind, nicht aber, wie es bei uns hieß, zu überkommen. Zur Erläuterung des Missgriffs ist zu sagen, dass der Text von einem syrischen Kollegen stammte, der für die kuriose Übersetzung von overcome nichts kann. Wenn der Jux gestattet ist: Dergleichen kommt im trouble der Geschäfte leider vor.
ECHTEN TROUBLE gibt es, wenn der Komparativ oder seine Negation multipliziert werden. "Die Wurst kostet dreimal weniger" wird allgemein so verstanden, dass der Preis auf ein Drittel gesunken ist. Rechnerisch ist das falsch. Leser K. hat sich dazu die Aussage vorgenommen, der Rhein führe "70-mal weniger Wasser" als der Amazonas (200 000 m³/sec). Verstehen wir ihn recht, führt der Rhein diesfalls eine Wassermenge von minus 13 800 000 m³/sec. Weh der Rheinschifffahrt!
