"IN KORSIKA" seien schon aus geringsten Anlässen Blutfehden entbrannt, hieß es im Streiflicht. Leser (oder Leserin) D. schloss daran die Frage, ob er/sie "etwa die Unabhängigkeit dieser zu Frankreich gehörenden Insel verpasst" habe. Es gibt zwei klassische Inselfragen. Die eine zielt darauf ab, welche Gegenstände der mitnähme, der auf eine einsame Insel müsste. Klassikfreunde nennen an erster Stelle gern Schuberts Streichquintett, womit sie auch gleich Punkt zwei vergeben, nämlich den Plattenspieler. Die andere widmet sich der Frage, ob man in oder auf einer Insel ist. Hierzu hat sich die Faustregel herausgebildet, dass auf die geografische Insel meint und in die Insel als Staat: Man lebt auf Sylt, aber in Kuba; auf Kuba geht auch, in Sylt nicht, es sei denn, Sylt würde sich von Deutschland lossagen und ein eigener Staat werden. Diese Inselfrage steckt voller Grenzfälle. Je größer die Insel ist, desto leichter scheint die Präposition in zu fallen. Für Klassikfreunde sind sie ebenfalls günstiger, da es dort in aller Regel Strom gibt, um Schuberts Streichquintett auf dem Plattenspieler wiedergeben zu können.
DIE BAUBESCHREIBUNG "der alte, rotziegele Kornspeicher" ließ Leser B. darüber nachdenken, ob man von roten Ziegeln das Adjektiv rotziegel ableiten könne. Das Grübeln erübrigt sich, weil uns dafür das schöne Wort rotziegelig zu Gebote steht; bei Grimm findet sich ziegelicht im Sinn von aus Ziegel. Damit schließen wir den rotziegelen Kornspeicher, und zwar mit einem scharfriegelen Schloss.
DASS "SÜDDEUTSCH" in Süddeutsche Zeitung eine Regionalbezeichnung ist, damit hat unser Leser R. recht, nicht jedoch damit, dass das Wort als Teil der Marke nicht gebeugt werden dürfe. Die Grammatik spiegelt in dieser Sache den Sprachgebrauch getreulich wider: Wer sagt, er sei gestern "in Schillers Räubern" gewesen, soll das auch so schreiben, und was den "Räubern" recht ist, kann der Süddeutschen Zeitung nur billig sein.
