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Schule:Lüften, frieren und ein historischer Vergleich

Hätte man früher Klassen verkleinert und digitalen Unterricht richtig ausprobiert, bräuchten Schüler nun nicht bei offenen Fenstern zu lernen.

Zu "Das bibbernde Klassenzimmer" vom 13. Oktober und "Mütze zur Maske" vom 10./11. Oktober:

Wenn uns diese Pandemie etwas klarmacht, dann die Tatsache, dass wir in dem immer wieder beschworenen "ach so reichen Land" in vielen wesentlichen Dingen hoffnungslos hinterherhinken. Und jetzt zeigt es sich wieder einmal an den Schulen. Dass sie baulich oft marode sind, seit bald Jahrzehnten bekannt. Dass sie in Sachen EDV auf Dritte-Welt-Niveau sind, ebenfalls. In Homeschooling-Zeiten ein echter Nachteil. Es stehen zwar Milliarden bereit, aber angekommen beziehungsweise abgerufen sind nur einige zehn Millionen Euro.

Die Klassengrößen, das wäre jetzt ein sehr wichtiger Punkt, bewegen sich in den Gymnasien aber immer noch um die 30 Schüler, obwohl seit Jahrzehnten bekannt ist, dass etwa 20 pro Klasse ideal wären. Und wenn ich jetzt lese, dass Schweden seine Klassenzimmer lüftungstechnisch nachgerüstet hat, dann muss ich eben konstatieren, dass uns unsere Kinder die 100 Euro pro Kopf nicht wert sind.

Obwohl uns doch seit Jahrzehnten vorgebetet wird, dass Ausbildung unser einziger Rohstoff in Deutschland sei. Auf der anderen Seite ist mir schon klar, dass man Prioritäten setzen muss, und solange nicht endgültig entschieden ist, ob die Autoprämie für Verbrenner nicht doch noch kommt, da muss man sein Pulver schon trocken halten. Also machen wir eben Stoßlüften auch im Winter. Irgendwie drängen sich mir Gedanken an das Mittelalter auf. Wie wäre es mit Pestmasken? Haben auch damals nichts geholfen, aber sie wären billig.

Ferdinand Maier, Passau

Im strengen Winter 1943 ging ich in eine oberbayerische Volksschule. Im Klassenraum ein alter Kachelofen, der mangels Heizmaterial nicht geheizt werden konnte. So wurden wir Kinder aufgefordert, jeweils ein Stück Brikett mitzubringen, sodass der Ofen manchmal sogar etwas Wärme verströmte. Wir konnten dann unsere von der Schneeballschlacht in der Pause nassen Wollhandschuhe daran trocknen. Ein seltener Luxus! Wir hatten keine warmen Stiefel, keine Goretex- oder Fleece-Kleidung. Aber wir kannten keine Lüftungsprobleme und waren nur sehr selten krank.

Cilly Kaletsch, München

Weder realistisch noch gerecht und fair kann ein Lehrer Klassenarbeiten benoten, die nicht ungestört und konzentriert geschrieben wurden, zudem - je nach Sitzplatz - unter ungleichen Bedingungen. Viele Schüler und Eltern werden aus triftigem Grund Beurteilungen anfechten, die das echte Leistungsvermögen nicht erfassen. Und das ist ja wohl unmöglich, wenn der Proband beim Schreiben Unruhe, Kälte, (Durch-)Zug und vielleicht gar Geräusche vom Gang her erdulden muss. Sollte man nicht derzeit tunlichst auf 45-minütige Klassenarbeiten verzichten?

Eva Matern-Scherner, Hösseringen

© SZ vom 20.10.2020
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