Schanigärten in München:Eine Belastung für Anwohner

Lesezeit: 1 min

Die bejubelte Pandemie-Notlösung hat auch eine Schattenseite.

Schanigarten in München in Zeiten der Corona-Krise, 2020

Schanigarten in München. Eine Erfindung in Zeiten der Corona-Krise, inzwischen aber etabliert und beliebt beim Publikum. Anwohner sehen das kritisch.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Nach oben offen" vom 14./15. Mai:

Inzwischen vergeht keine Woche, in der nicht in der SZ die Schanigärten hochgeschrieben werden. Dabei schreckt Herr Kotteder auch nicht vor zweifelhaften Formulierungen zurück. Der Satz: "Essen und Trinken wo andere (!) ihre Rostlauben abstellen" - dies ist genau die Grundhaltung gebildeter, weltoffener Gutmenschen à la München. Man muss sie schließlich ausgrenzen, die Straßenparker, die Autobesitzer, die elendigen. Man hätte doch gleich schreiben können: Wir gut - Ihr schlecht!

Nun stammt die Bezeichnung "Schanigärten" bekanntlich aus Wien und soll uns ein Beispiel sein für die Nutzung des öffentlichen (Park-)Raumes zum kommerziellen Vorteil einer einzelnen Branche (wobei die Notmaßnahme zur Zeit der Pandemie sicher berechtigt war). Verschwiegen wird grundsätzlich, dass dieser Begriff in Wien für alle Freischankflächen gilt und Flächen neben dem Bürgersteig, also auf dem Parkrand, nur dort ausgewiesen werden, wo die Gehwegbreite keine Tischreihe zulässt. In Wien gibt es nicht diese geradezu unverschämte Ausdehnung vor manchen Restaurationsbetrieben, da es dort Vorgaben seitens der Stadt gibt.

Bemerkenswert ist auch der Satz: "(...) dass es vergleichsweise wenig Proteste gegen die Besetzung knapper Parkplätze gegeben hat". Wäre interessant zu erfahren, mit was hier verglichen wurde. Aus der Bezirksinspektion-West sind zumindest für Neuhausen/Nymphenburg andere Töne zu hören. Schließlich geht es nicht nur um Parkplätze, sondern es geht um Belästigungen der unmittelbaren Nachbarschaft, denn nach Wegfall der Abstandsregeln werden noch mehr Gäste draußen konsumieren, der Lärmpegel daher für manche Anwohner das Erträgliche übersteigen.

Immerhin ist es der Stadt gelungen durch die nun zu zahlenden Gebühren zusätzlich abzukassieren - teilweise doppelt: für die Anwohnerparkgebühren (die ja auch erhöht werden sollen) und die Nutzung durch Gastronomie.

Jörg Langsdorf, München

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung, gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und dem Wohnort.

Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de. Zu Artikeln, die im Lokal- und Bayernteil der SZ erschienen sind, senden Sie Ihre Meinung gerne direkt an forum-region@sz.de.

Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB