SarrazinStreitbare Thesen

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Ein Leserbriefschreiber hält es für ein Armutszeugnis der SPD, den streitbaren Autoren aus der Partei ausschließen zu wollen. Ein anderer Leser befürwortet das Verfahren indes: Thilo Sarrazin verkörpere nicht die Werte der demokratischen Partei.

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Zu " Der Fremde" und " SPD darf Thilo Sarrazin ausschließen" vom 12. Juli:

Jens Schneider äußert in seinem Kommentar zur Entscheidung im Verfahren gegen Thilo Sarrazin die Auffassung, es sei gut, dass die Partei ihn ausschließen könne. Sarrazin habe "in der SPD nichts verloren". Dem möchte ich widersprechen. Nicht nur wäre ein tatsächlicher Parteiausschluss ein Desaster für die SPD. Vielmehr ist schon das ganze Unternehmen, ihn, seine Kritik und die Art und Weise, wie er sie vorbringt, als "parteischädigend" auszugrenzen, ein Armutszeugnis. Der Vorstand hat sich völlig verrannt. Ich habe aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es doch noch einen Ort der Vernunft in der SPD gibt; in diesem Fall wird das absurde Verfahren in der nächsten Instanz niedergeschlagen.

Dr. Matthias Wolfes, Berlin

Als sozialdemokratischer Wähler auf der Insel Usedom finde ich befremdlich, dass dieser Mann, der in Stolpe auf Usedom zudem dorfunüblich gebaut hat, noch immer Mitglied der altehrwürdigen SPD ist. Er passt, finde ich, ebenso wenig in die SPD wie auch auf unsere Insel. An der SPD klebt er wie eine Klette, allerdings verkörpert er nicht die Werte dieser demokratischen Partei. Hannes Albers , Usedom

Sarrazin ist ein erbitterter Gegner des Islam als politische Religion und argumentiert in seinem Buch mit nachprüfbaren Fakten, die er allerdings oft einseitig interpretiert. Es ist die Summe der Anwürfe gegen den Islam, die nachdenklich macht und die es zu hinterfragen gilt. Bei der medialen Diskussion entsteht jedoch der Eindruck, dass einige Kritiker das Buch gar nicht gelesen haben und sie nicht das Buch kritisieren, sondern die Person. Sarrazin hat die Freiheit der Meinungsäußerung, auch wenn man, wie ich, nicht alle seine Äußerungen für gut und richtig hält.

Wolfgang Nies, Bissen/Luxemburg

Über die Thesen des Herrn Sarrazin lässt sich mit Sicherheit trefflich streiten. Doch bestätigt das meiner Meinung nach populistische Verhalten der SPD einmal mehr die Aussagen meiner ehemaligen Kommilitonen der Politikwissenschaft, dass gerade die SPD selbst von sozialfaschistischen Tendenzen geprägt worden ist. Lange hatte ich über diese Auffassung nachdenken müssen, um nun nach vielen Jahren und einschlägigen Ereignissen in der SPD diesen Duktus endlich zu verstehen.

Bernd H .Stachowski, Pinneberg

Sicher gibt es auch Parteigenossen in der SPD, die, ob ihrer Einschätzung eines Menschen nach seiner Intelligenz - die Thilo Sarrazin zweifelsohne in hohem Maße für sich in Anspruch nehmen kann - in Schwierigkeiten geraten, weil eigene Kriterien nicht reichen, um einen Maßstab anzulegen. Ob diese Genossen die Bücher gelesen haben oder nicht, spielt bei dem Hinauswurf des Genossen Sarrazin keine Rolle. Sie benötigen die Hilfe der Medien, die genau wissen, was man tun und lassen darf, und auch diese Gruppe von Menschen hat sich nicht sachlich mit den Inhalten der Bücher von Sarrazin auseinandergesetzt, sondern folgt getreu der Meinungsmache anderer Menschen. Political Correctness - so nennt man das wohl.

Jutta Wölk, München

Jens Schneider schreibt, es sei offenkundig, dass die SPD-Mitgliedschaft Sarrazins Marketing diene. Kann er sich denn nicht vorstellen, dass ein Autor versucht, anderen seine Gedanken mitzuteilen, weil er diese für wichtig hält? Ich als häufiger SPD-Wähler bin erschüttert, wie diese Partei mit einem Autor umgeht. Eine Kritik an seinen Behauptungen in seinen Büchern habe ich von der SPD noch niemals gehört. Insofern ist der Schritt ausgerechnet der SPD zu der "Bücherverbrennungsproblematik" nicht sehr weit.

Dr. Jürgen Lehmann, Bordesholm

© SZ vom 09.08.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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